Porträt: Anno August Jagdfeld : „Der Kampf ums Adlon ist ein Possenstück“

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Foto: Thilo Rückeis
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Er ist der einzige Überlebende unter den großen Baulöwen, die Berlin nach der Wende wiederaufgebaut haben. Doch anders als Roland Ernst, der die Hackeschen Höfe in Mitte schuf und pleite ging, und anders als Jürgen Schneider, der die Deutsche Bank um Milliarden betrog und im Gefängnis endete, blieb an Anno August Jagdfeld bis heute nichts haften. Der schlanke Unternehmer mit dem Faible für feines Tuch und leise Auftritte könnte, gemessen an seinen unternehmerischen Abenteuern, auch ein Graf sein und ist in jedem Fall – ein Verführer.

Fünf Milliarden Euro hat er bei Privatleuten eingesammelt, sie in Fonds geparkt und davon 800 Immobilienprojekte bauen lassen. Wer hätte gedacht, dass ein Klosterschüler aus der Umgebung von Aachen einmal das verfallene Sommerbad in Heiligendamm wiedererstrahlen lassen würde und die „weiße Stadt am Meer“ den mächtigsten Männern der Welt für ein Gipfeltreffen dienen würde?

Die Griechen und Lateiner, die er zu Schulzeiten paukte, zählen bis heute zur Lieblingslektüre des 64-Jährigen: Eine Cicero-Biografie liegt auf seinem Nachttisch. Zwei Mal täglich ein Bad in der Ostsee, wandern und Fahrrad fahren halten ihn fit. Das sind die Quellen von Jagdfelds stoischer Gelassenheit und körperlichen Fitness, die seine Trümpfe an diesem Freitag sein werden. Da muss er noch einmal verführen: die vom Markt enttäuschten Anleger, deren Geld er in die Rekonstruktion des Hotels Adlon am Potsdamer Platz investierte, das seinen Gönnern nun aber kaum Zinsen einbringt. Berühren Jagdfeld die Klagen der Enttäuschten? „Natürlich möchte man lieber zufriedene Anleger, aber niemand kann die Vermietungspreise beherrschen“, sagt er.

Der Markt hat es gegeben, der Markt hat es wieder genommen, könnte man sagen. Das gilt auch für einen seiner bisher wohl ärgsten Misserfolge: das Bürohaus „Pyramide“ in Marzahn, ebenfalls so ein Fonds, der liquidiert wurde. „Aber die Anleger haben die Hälfte ihrer Investitionen durch Steuergutschriften zurückbekommen“, sagt Jagdfeld. So gesehen, stünden sie besser da als bei 90 Prozent aller anderen Immobilienfonds – da ist er wieder, der begnadete Verkäufer, der Zauberer, der schlechte Nachrichten in gute verwandelt.

Wird ihm das auch in der Schlacht ums Adlon gelingen? „Ich bleibe Geschäftsführer“, sagt er. Abwegig seien die Vorwürfe seiner Gegner, eines früheren Kochlehrlings bei Kempinski und eines Rechtsanwaltes. Ralf Schönball

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