PORTRÄT ARMIN LASCHET CDU-NRW-CHEF: : „Wir sind an einem Tiefpunkt“

von
Foto: dpa
Foto: dpaFoto: dpa

Aachen ist ein gemütliches Städtchen, und weil Armin Laschet nicht nur aus dem Dreiländereck stammt, sondern unüberhörbar auch so spricht, könnte man den 51-Jährigen versehentlich schon mal für den Impresario der örtlichen Volksbühne halten. Das hieße, ihn dann aber doch kräftig zu unterschätzen. Als sich Laschet vor zwei Jahren mit Norbert Röttgen einen Wettstreit um den CDU- Vorsitz in Nordrhein-Westfalen lieferte, unterlag er dem Promi aus Berlin knapp mit höchst respektablen 45 Prozent. Jetzt läuft das Amt doch auf ihn zu. Nur ist es nicht mehr ganz so attraktiv.

Nach der brutalen Wahlniederlage und Röttgens Abgang ist im größten CDU-Landesverband psychologische Aufbauarbeit angesagt. Nur so ist wohl zu erklären, dass Laschet dem Münsterländer Karl-Josef Laumann das Amt des Fraktionsvorsitzenden überlassen will. Das widerspricht der reinen Lehre, weil als Oppositionsführer gemeinhin der Fraktionschef wahrgenommen wird. Dass das Konstrukt der Doppelspitze lange hält, ist denn auch eher unwahrscheinlich. Aber der Mann, den Jürgen Rüttgers zum ersten Integrationsminister in NRW ernannte, ist insgesamt ein viel zu ausgleichender Typ, als dass er einen Parteifreund einfach kalt abservieren könnte.

Auf den Vorgänger lässt er auch nichts kommen: Wer Röttgen als arroganten Kerl diffamiere, kenne ihn nicht. Laschet kennt ihn gut. Beide waren Mitglied der schwarz- grünen „Pizza-Connection“, die als milde Rebellen gegen Helmut Kohl starteten und heute Paladine der Kanzlerin Angela Merkel sind: Peter Altmaier, Ronald Pofalla, Hermann Gröhe, Eckard von Klaeden.

Der Jurist war vielleicht der Bodenständigste der ganzen Truppe, zugleich aber rheinischer Kosmopolit – einerseits Chefredakteur seiner heimischen Kirchenzeitung, andererseits Hauptstadtjournalist für Privatradios in Bonn; einerseits 15 Jahre lang Ratsherr in Aachen, andererseits wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth und Europaabgeordneter.

Der Job an der Spitze des wichtigsten CDU-Landesverbands rückt ihn nun ganz natürlich in den Kreis derer, die Zukunft und Ausrichtung der Christdemokratie bis hinein in eine Zeit nach Merkel prägen können. NRW stellt ein Drittel der Delegierten auf jedem CDU- Parteitag. Trotzdem halten es Laschet-Kenner für offen, ob er größeren bundespolitischen Ehrgeiz entwickelt – der Aachener Karlsdom ist ihm halt näher als der Gendarmenmarkt. Robert Birnbaum

0 Kommentare

Neuester Kommentar