PORTRÄT AYDIN DOGAN, TÜRKISCHER MEDIENZAR : "Er will uns mundtot machen"

Fast eine halbe Milliarde Euro soll Aydin Dogan an den türkischen Fiskus zahlen. Das ist selbst für den 72-jährigen Unternehmer, einen der reichsten Männer der Türkei, sehr viel Geld.

Thomas Seibert
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Foto: dpa

Die Behörden werfen Dogan Steuerhinterziehung beim Verkauf von Anteilen seiner Fernsehsparte an den Axel-Springer-Verlag vor einigen Jahren vor. Doch Dogan wehrt sich. Hinter dem Zahlungsbescheid vom Fiskus vermutet er dunkle Motive. „Das ist alles politisch motiviert“, sagte Dogan jetzt dem „Wall Street Journal“.

Dogan glaubt, Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wolle ihn und sein Unternehmen fertigmachen. Dogan-Medien wie die Zeitung „Hürriyet“ und Oppositionspolitiker sprechen von einem Angriff auf die Pressefreiheit. Der Regierungschef hat seine Anhänger bereits mehrmals aufgerufen, Dogan-Medien zu boykottieren. „Er will uns mundtot machen“, sagt Dogan dazu.

Alles fing offenbar damit an, dass Dogan-Medien im vergangenen Jahr über die Geschäfte eines Sohnes von Erdogan und einer Schwiegertochter berichteten. In diesem Punkt scheinen sich Dogan und Erdogan sogar weitgehend einig zu sein. Er habe Dogan gebeten, seine Familie in Ruhe zu lassen, sagte Erdogan vor einigen Tagen. Trotzem seien entsprechende Berichte erschienen. Seitdem beharken sich Erdogan und Dogan in aller Öffentlichkeit. Als Dogan-Medien eine angebliche Verwicklung der Erdogan-Partei AKP in einen Spendenskandal in Deutschland meldeten, antwortete der Ministerpräsident mit dem Vorwurf, Dogan wolle sich nur dafür rächen, dass seine Regierung ihm die Genehmigung eines Bauprojektes in Istanbul verweigere.

Dogan ist nicht nur ein reicher Medienzar. Auch andere Unternehmen, darunter eine Tankstellenkette, gehören zu seinem Imperium. Selbst einen Biobauernhof betreibt er. Interessenkonflikte sind bei solch sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern nicht auszuschließen. Auch hatte Dogan in den vergangenen Jahren bereits Ärger mit den Steuerbehörden und musste Millionenbeträge zahlen.

Dennoch: Im Streit zwischen dem Unternehmer und der Regierung sammelt vor allem Erdogan Minuspunkte, nicht Dogan. Der türkische Regierungschef ist bekannt dafür, dass er Kritik nicht besonders gut verträgt. In den vergangenen Jahren zog er mehrmals gegen Karikaturisten vor Gericht. Freie Medien könne der Premier einfach nicht vertragen, meint Dogan. Thomas Seibert

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