PORTRÄT BABURAM BHATTARAI REGIERUNGSCHEF VON NEPAL: : „Das ist unsere letzte Chance“

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Die junge Republik Nepal hat schon wieder einen neuen Regierungschef – bereits den vierten in nur drei Jahren. Am Montag wurde der Ex-Rebell und heutige Vize-Parteichef der Maoisten, Baburam Bhattarai, in Kathmandu als neuer Premierminister eingeschworen. Bei seiner Wahl am Vortag hatte er 340 von 601 Stimmen erhalten. Die große Frage ist, ob es Bhattarai gelingt, den Himalaya-Staat aus seiner politischen und wirtschaftlichen Dauerkrise zu führen. Der Bauernsohn galt zu Zeiten des Bürgerkriegs als Hardcore-Kommunist, später erwarb er sich aber als Finanzminister sogar den Respekt der Wirtschaft. Diese setze nun große Hoffnungen in ihn, schrieb die „Kathmandu Post“.

Die Maoisten hatten gemeinsam mit den bürgerlichen Parteien 2006 den unpopulären König Gyanendra gestürzt und nach zehnjährigem Bürgerkrieg die Waffen niedergelegt. Doch Nepal taumelt seither von Krise zu Krise. Das Parlament ist zersplittert, die Parteien zermürben sich in Kleinkriegen. Die Wirtschaft lahmt, und die Hälfte der 30 Millionen Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Eine neue Verfassung lässt bis heute auf sich warten. Weiter ungelöst ist auch, wie man die 19 000 Ex-Kämpfer der Maoisten wieder in die Gesellschaft oder sogar ins Militär eingliedern kann. Die meisten Ex-Rebellen fristen weiter ein Dasein in Camps.

Seit den Wahlen im Mai 2008 gaben bereits drei Ministerpräsidenten auf, zuletzt schmiss Mitte August Jhalanath Khanal von der gemäßigten Kommunistischen Partei CPN-UML das Handtuch. Nun will Bhattarai es richten: „Das ist unsere letzte Chance“, sagte er nach seiner Wahl. „Ich bin entschlossen, den Friedensprozess zu vollenden und eine neue Verfassung zu entwerfen.“ Doch das dürfte schwer werden, denn dafür braucht Bhattarai auch Stimmen aus den zwei großen Oppositionsparteien. Dabei ist schon seine eigene Mehrheit wackelig.

An Nepals Malaise sollen auch die benachbarten Großmächte China und Indien nicht ganz unschuldig sein. So soll Indien gute Kontakte zur bürgerlichen Kongresspartei pflegen, während es in den Maoisten Handlanger Chinas wähnt. Möglicherweise könnte sich Indien aber mit Bhattarai anfreunden. In einigen Zeitungen wurde der 57-Jährige, der in Delhi studiert hat, als Indien-freundlich eingestuft. Medien berichten, dass er einen für nepalesische Politiker ungewohnt bescheidenen Lebensstil pflegt und als integer gilt. Christine Möllhoff

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