• PORTRÄT BADRI PATARKAZISCHWILI, GEORGISCHER MILLIARDÄR: „Ich gebe all mein Geld für den Umsturz“

PORTRÄT BADRI PATARKAZISCHWILI, GEORGISCHER MILLIARDÄR : „Ich gebe all mein Geld für den Umsturz“

Der Führer der Massenunruhen in Georgien setzte sich im Jahr 2000 ins nunmehr krisengebeutelte Land ab, um ein Medienimperium aufzubauen. Bei Putin fiel er frühzeitig in Ungnade.

Elke Windisch

Er, so Badri Patarkazischwili, einer der Führer der Massenunruhen im georgischen Tiflis, sei bereit, für den Sturz von Präsident Michail Saakaschwili sein gesamtes Vermögen hinzublättern. Das beläuft sich auf weit über eine Milliarde Dollar. Genaues weiß man nicht, denn Patarkazischwili, der 1955 in Tiflis geboren wurde, machte sein Vermögen während der Privatisierung von Staatseigentum in Russland – mit ähnlich dubiosen Methoden wie die anderen Oligarchen.

Unter Jelzin wegen diverser Medienbeteiligungen ähnlich allmächtig wie Kollege Boris Beresowski, fielen beide wegen ihrer politischen Ambitionen unter Putin in Ungnade. 2001 schrieb Russlands Generalstaatsanwaltschaft sie zur Fahndung aus. Offenbar Böses ahnend, hatte Patarkazischwili sich schon 2000 nach Georgien abgesetzt, wo er ein neues Medienimperium aus dem Boden stampfte. Kernstück ist der TV-Sender Imedi: Hoffnung. Er erreicht 90 Prozent der Haushalte und war, bis Präsident Michail Saakaschwili ihn am Mittwochabend stürmen ließ, das Sprachrohr der Opposition. Die forderte bei den jüngsten Unruhen den Rücktritt von Saakaschwili.

Bei der „Revolution der Rosen“ vor vier Jahren als Hoffnungsträger angetreten, regiert Europas jüngster Staatschef inzwischen mit ähnlich fragwürdigen Methoden wie Eduard Schewardnadse, den Saakaschwili im November 2003 zum Rücktritt zwang. Der prowestliche Saakaschwili hatte zuvor auf einem der vordersten Plätze einer Liste von Bedürftigen gestanden, die über eine Stiftung von Patarkazischwili regelmäßige Zuwendungen für den Sturz von Schewardnadse bezogen, unter dessen Herrschaft Georgien zunehmend in Chaos, Korruption und Vetternwirtschaft versank. Schon im März 2006, zwei Jahre nach der Wahl Saakaschwilis zum Präsidenten Georgiens, zerbrach dieses Bündnis jedoch. Patarkazischwili warf der Regierung Saakaschwili Reptilienfonds vor: Schwarzgeld, das aus Haushaltsmitteln abgezweigt worden war. Auch seien Unternehmer zu Geld-, Aktien- und Sachspenden gezwungen und Medien mit Verfahren wegen Steuerhinterziehung diszipliniert worden.

Sowohl bei Russlands Inlandsgeheimdienst FSB als auch beim Schweizer Bundesamt für Polizeiwesen firmiert Patarkazischwili indes als „kriminelle Autorität“ und Schnittstelle zwischen Macht und organisiertem Verbrechen. Saakaschwili vermutet in ihm den Erfüllungsgehilfen Moskaus, wo aus seiner Sicht die Drahtzieher der Unruhen sitzen.

Das ist wenig wahrscheinlich: Moskau ist zwar an einer nachhaltigen Schwächung Saakaschwilis interessiert, nicht jedoch an dessen Sturz. Denn Teile der Opposition bestehen beim Umgang mit Russland auf weitaus härteren Bandagen als Saakaschwili. Elke Windisch

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