Porträt Baltasar Garzon : "Anstand, Mut und Arbeit"

Angst kennt dieser Mann nicht, obwohl er viele Feinde hat: Baltasar Garzon ist Spaniens berühmtester Untersuchungsrichter, der gegen das frühere spanische Regime Francisco Francos ermittelt.

Ralph Schulze

Baltasar Garzon wird von einer Leibwächterarmee bewacht. Terroristen, Mafiabosse, korrupte Politiker und Menschenrechtsverbrecher haben ihm Dutzende Morddrohungen in den Nationalen Gerichtshof in Madrid geschickt. Dort wühlt sich Garzon als „Untersuchungsrichter Nummer fünf“ durch das Unrecht dieser Welt.

Beeindruckt haben die Drohungen diesen Sohn eines Olivenbauern nicht. Er ist seit 20 Jahren so etwas wie Spaniens „Superrichter“ und legt sich vorzugsweise mit den Mächtigen der Unterwelt und Oberschicht an. Nun, genau zehn Jahre, nachdem er in London Chiles Ex-Gewaltherrscher Augusto Pinochet vorübergehend festsetzen ließ, knöpft er sich das dunkle Kapitel der spanischen Geschichte vor: jene Menschenrechtsverbrechen, die der rechtsgerichtete General Franco während des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939) und der nachfolgenden Diktatur (1939-1975) an linken Regimegegnern begangen hat.

„Systematische Massaker, Folter und illegale Verhaftungen der politischen Oppositionellen“ wirft Garzon dem Franco-Regime vor, dessen Hauptverantwortliche freilich nicht mehr leben. 22 Organisationen, in denen sich Franco-Opfer und ihre Angehörige organisieren, hatten Klage beim Nationalen Gerichtshof erhoben. Und Garzon gab umgehend der Klage statt, was ein mittleres gesellschaftliches Erdbeben in der Nation auslöste.

Denn nach Ende der Diktatur, die mit dem Tod Francos im Jahr 1975 zusammenbrach, hat sich die spanische Justiz bis heute vor einer Aufarbeitung gedrückt. „Die Straflosigkeit war bisher die Regel“, kritisierte Garzon. Und das, obwohl bis heute mehr als 100.000 linke Oppositionelle verschwunden sind, die von Franco-Todeskommandos während des Bürgerkrieges und in den ersten Diktaturjahren ermordet wurden.

Garzons Ermittlungseifer gefällt Spaniens konservativer Opposition allerdings nicht. Genauso wenig wie der Katholischen Kirche, die Francos Vernichtungsfeldzug damals Gottes Segen gegeben hatte. „Alte Wunden“ würden geöffnet, kritisieren die Konservativen. Doch das stört Spaniens Starrichter, der auch schon für den Friedensnobelpreis gehandelt wurde, nicht. Sein Lebensmotto: „Anstand, Pflichtbewusstsein, Mut und Arbeit." Ralph Schulze

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