Porträt Ban Ki Moon : "Ich bin der unsichtbare Mann"

Beim Millenniumsgipfel in New York versucht UN-Generalsekretär Ban Ki Moon diese Woche wieder, die Welt wachzurütteln. Er wird die Staats- und Regierungschefs und Experten im Kampf gegen die Armut antreiben.

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Er wird es in seiner üblichen, bedächtigen Art tun. Zu bedächtig, finden viele seiner Mitarbeiter. Sie schütteln den Kopf, wenn sie hören, dass der Südkoreaner verspricht, „wir haben die Instrumente und Ressourcen, um die Ziele bis 2015 zu erreichen“. Nein, sagen viele seiner Mitarbeiter, das Projekt Millenniumsentwicklungsziele droht zu scheiten. Und in Ban sehen viele einen der Hauptverantwortlichen. Es mangele ihm an Charisma, er könne nicht motivieren, so lauten die Vorwürfe.

Der Ex-Außenminister Südkoreas gibt sich zwar Mühe, erzeugt aber kaum Wirkung: weder bei der Lösung der zahlreichen bewaffneten Konflikte noch beim Schutz der Menschenrechte oder im Kampf gegen den Klimawandel. Das renommierte US-Magazin „Foreign Policy“ bezeichnet ihn als„Dilettanten auf der internationalen Bühne“. Das mache ihn „zum weltweit gefährlichsten Koreaner“. Bans Amtszeit, die noch bis 2011 geht, könnte als verlorene Zeit in die UN-Chronik eingehen.

Der Millenniumsgipfel wird als eine der letzten Bewährungsproben für Ban gewertet. Doch selbst unter Funktionären und Gesandten der Mitgliedsländer häuft sich die Kritik an Ban, der Respekt gegenüber dem Generalsekretär scheint sich zu verflüchtigen. So zischte der UN-Untergeneralsekretär für Wirtschaft und Soziales, Sha Zukang, Ban ins Gesicht: „Nun, ich habe Sie auch nie gemocht.“ Der Chinese hatte vorher dem Alkohol zugesprochen, er musste sich offiziell entschuldigen. Schwerer wog die Kritik der Schwedin Inga-Britt Ahlenius, die sich im Sommer als oberste UN-Revisorin verabschiedete. Mit ihrem Ausscheiden kam ein Schreiben ans Licht, in dem sie Ban „Mangel an strategischer Leitung und Führung“ vorwirft.

Die Attacken auf seine Person lassen Ban kühl. „Kritik, wenn sie konstruktiv ist, hilft mir“, sagt er, und sein Gesicht zeigt keine Regung. Und er scheint fast noch stolz zu sein: „Ich bin bekannt als der unsichtbare Mann.“ Darum war er damals ja auch gewählt worden. Bans Vorgänger, Kofi Annan, fiel bei den USA wegen seiner offenen Kritik an der Irak-Invasion in Ungnade. Ihm sollte ein politisches Leichtgewicht folgen. Ban Ki Moon kam den Amerikanern wie gerufen. Jan Dirk Herbermann

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