• PORTRÄT BARBARA ROSENKRANZ UMSTRITTENE FPÖ-KANDIDATIN:: „Es kann ja nicht jeder Kevin heißen“

PORTRÄT BARBARA ROSENKRANZ UMSTRITTENE FPÖ-KANDIDATIN: : „Es kann ja nicht jeder Kevin heißen“

Markus Huber
Foto: Reuters
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Dass sie mit ihren Ansichten lange hinter dem Berg gehalten hätte, kann man Barbara Rosenkranz nicht vorwerfen. Ihr Präsidentschaftswahlkampf hatte gerade erst begonnen, da forderte die FPÖ-Kandidatin Ende Februar im Österreichischen Rundfunk, dass man das sogenannte Verbotsgesetz in Österreich aufheben sollte. Dieses Gesetz, das in Österreich immerhin Verfassungsrang hat, verbietet die Verbreitung nationalsozialistischer Ideologien und Parolen. Immer wieder waren Österreichs Rechtsextreme damit in Konflikt geraten, immer mal wieder gab es deswegen Prozesse und Verurteilungen. Im gleichen Interview wurde sie auch nach ihrem Geschichtsbild und ihrer Sicht auf das Nazi-System gefragt – und Rosenkranz antwortete lapidar, dass sie das Wissen habe, das in Österreich zwischen 1964 und 1976 in den Schulen unterrichtet wurde. In den Lehrbüchern der damaligen Zeit endete der Geschichtsunterricht allerdings mit dem 1. Weltkrieg.

Barbara Rosenkranz, 51 Jahre alt, ist die wohl aussichtsreichste Kontrahentin des amtierenden Bundespräsidenten Heinz Fischer bei den Präsidentschaftswahlen Ende April. Aussichtsreich ist sie vor allem deshalb, weil außer den Freiheitlichen keine einzige Parlamentspartei einen Kandidaten aufstellt, der es mit dem Sozialdemokraten Fischer aufnehmen soll – zu aussichtslos ist das Unterfangen, bei der Volkswahl gegen den beliebten Präsidenten anzutreten. Da es keine staatliche Unterstützung für den Wahlkampf gibt und die Parteien ihre Kampagnen selbst bezahlen müssten, verzichteten sowohl die Österreichische Volkspartei (ÖVP) als auch die Grünen auf eine Nominierung.

Für die FPÖ ist die Wahl in dieser Situation eine willkommene Angelegenheit, einen Achtungserfolg einzufahren. Es ist unwahrscheinlich, dass die einzige Gegenkandidatin nicht mindestens 25 bis 30 Prozent der Wähler erreichen kann. Dass FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gerade Barbara Rosenkranz nominiert hat, überrascht allerdings doch. Denn sie ist die wohl am weitesten rechts stehende und national gesinnte Politikerin, die die Freiheitliche Partei zurzeit vorweisen kann.

Seit ihrem Eintritt in die FPÖ 1993 hatte sie keine Berührungsängste mit dem extrem deutschnationalen Lager. Ihr Mann, Horst-Jakob Rosenkranz, kandidierte einst für die verbotene Liste „Nein zur Ausländerflut“, und er gibt nach wie vor das Blatt „Fakten“ heraus, in dem verurteilte Neonazis als „Opfer politischer Verfolgung“ bezeichnet werden. Legendär sind die Sonnwendfeiern im Hause Rosenkranz, bei denen sich jedes Jahr Menschen mit fragwürdigen Überzeugungen einfinden. Bis vor einem Jahr referierte Barbara Rosenkranz auch alljährlich bei den „Kärntner Kulturtagen“, zu denen sich das Who-is-Who der europäischen Rechtsradikalen einfindet.

Rosenkranz selbst gilt als ruhige Politikerin. Weder im Nationalrat noch in der niederösterreichischen Landesregierung, in der sie für die FPÖ saß, ist sie durch Skandale aufgefallen. An ihrer Gesinnung hat sie freilich nie einen Zweifel gelassen. Auch nicht bei der Namensfindung für ihre zehn Kinder. Diese heißen: Hedda, Horst, Arne, Mechthild, Hildrun, Volker, Sonnhild, Alwine, Ute und Wolf. Als sie einmal von einer Tageszeitung schelmisch gefragt wurde, ob sie damit ein Zeichen setzen wollte, erklärte Rosenkranz lapidar: „Es kann ja nicht jeder Kevin heißen.“ Markus Huber

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