PORTRÄT BECHARA AL RAI MARONITISCHER PATRIARCH: : „Unsere Wurzeln bleiben im Libanon“

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Die maronitischen Christen im Libanon feiern ihren neuen Patriarchen. Mit einem Hochamt werden sie Bechara al Rai am morgigen Freitag ins Amt einführen. Eine Woche lang hatten die 38 der weltweit 40 maronitischen Bischöfe im Kloster Bkerke Konklave gehalten. Vier Wahlgänge pro Tag, kein Handy, kein Internet, kein Außenkontakt: Am Fuß der Beiruter Berge galten die gleichen Regeln wie beim Papstkonklave in Rom. Nach 21 Abstimmungen wählten die Oberhirten vergangene Woche mit mehr als zwei Drittel der Stimmen den langjährigen Erzbischof von Byblos zum 77. Patriarchen der libanesischen Christen. Rai folgt dem legendären, inzwischen 91-jährigen Mar Nasrallah Boutros Sfeir, der die größte katholische Kirche des Orients seit 1986 anführte.

Rund 40 Prozent der sechs Millionen Einwohner des Libanon sind Christen. Ihre Kirche führen sie zurück auf den Patriarchen von Antiochien, neben Konstantinopel, Rom und Alexandria der vierte Metropolitensitz in der Antike. Seit den Zeiten der Kreuzritter sind die Maroniten wieder mit dem Papsttum in Rom uniert, Patriarch Sfeir wurde 1994 zum Kardinal ernannt. Im Februar bat er Benedikt XVI., ihn aus seinem Amt zu entlassen.

Sfeirs 71-jähriger Nachfolger Rai wurde am 25. Februar 1940 im Bergdörfchen Himlaya geboren. Nach seiner Priesterweihe 1967 war er knapp 20 Jahre lang Gemeindepfarrer. 1986 wurde er Weihbischof von Antiochien, was in der heutigen Türkei liegt. Seit 1990 ist er Oberhirte der Hafenstadt Byblos am Mittelmeer. Er gilt als Moderater, der gute Beziehungen zu allen Glaubensgruppen seiner Heimat pflegt, den Drusen, den Schiiten und den Sunniten. Aber auch von beiden Lagern der politisch zerstrittenen Christen wird er respektiert. Die Mehrheit der Maroniten unterstützt die prowestliche Koalition des sunnitischen Ex-Premiers Saad Hariri, eine Minderheit unter der Führung von General Michel Aoun den von der Hisbollah durchgesetzten prosyrischen Nachfolger Najib Mikati. Kein Blatt nimmt Rai vor den Mund, wenn es um die Sicherheit und die Rechte der Christen geht. Mehrmals forderte er die ägyptische Regierung auf, die Kopten besser zu schützen. In seiner eigenen Erzdiözese Byblos gilt er als jemand, der zuhören kann und mit den Menschen gut zurechtkommt. Die Tage zwischen Wahl und Amtseinführung nutzte Rai für Überraschungsbesuche von Klöstern, Pfarreien und Gemeindehäusern in anderen Bistümern. Martin Gehlen

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