PORTRÄT BENAZIR BHUTTO PAKISTANRÜCKKEHRERIN: : „Ich komme, um den Kampf anzuführen“

Ruth Ciesinger

Vor 21 Jahren ist sie schon einmal im Triumph nach Pakistan zurückgekehrt. 1986 war Benazir Bhutto Anfang Dreißig und hatte zuvor im Londoner Exil die Opposition der Pakistanischen Volkspartei (PPP) gegen den Militärherrscher Zia Ul Haq mitgeführt. Nach dessen Tod zwei Jahre später wurde sie zur Regierungschefin und späten Nachfolgerin ihres 1979 ermordeten Vaters Zulfikar Ali Bhutto. Die schöne, junge Frau war an der Spitze des islamischen Staates eine Sensation und für viele Pakistaner Grund zu Freude und großer Hoffnung. Doch den Zenit ihrer Beliebtheit überschritt Bhutto bereits kurz nach ihrer Wahl: 1990 wurde Sie dann wegen Korruption aus dem Amt geworfen. Ähnlich verlief die zweite Amtszeit von 1993 bis 1996: Bis zu 1,5 Milliarden Dollar soll das Ehepaar Bhutto insgesamt an der Macht „verdient“ haben. Benazir, Mutter von drei Kindern, bestreitet die Vorwürfe jedoch bis heute.

Wenn sie sich jetzt als große Kämpferin für Demokratie und vor allem gegen Korruption geriert, ist Skepsis angesichts der persönlichen Historie erlaubt. Die Euphorie, die ihr dennoch entgegenschlägt, ist Symptom für die kaum entwickelte Parteienlandschaft Pakistans, die Feudalstrukturen prägen, und in der seit rund 20 Jahren die Ex-Premiers Benazir Bhutto und Nawaz Sharif trotz jeweils ausgesprochen schlechtem Ruf die Hauptrolle spielen können. Nichts verbessert daran hat die Regentschaft von General Pervez Musharraf seit 1999, der ebenfalls wenig Interesse hatte, starke politische Führer neben sich hochkommen zu lassen. Dass Benazir offenbar mit ihm zu paktieren bereit ist, könnte der Heimkehrerin jedoch Probleme bereiten. Denn nicht alle ihre Anhänger verstehen, wie sie mit einem Militär gemeinsame Sache machen kann – ist doch ihr Vater von einem Armeeherrscher ermordet worden. Ruth Ciesinger

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