• PORTRÄT BERNARD-HENRI LEVY FRANZÖSISCHER PHILOSOPH:: „Es geschah ein Wunder in dem Augenblick“

PORTRÄT BERNARD-HENRI LEVY FRANZÖSISCHER PHILOSOPH: : „Es geschah ein Wunder in dem Augenblick“

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Auch bei 40 Grad in der Wüste verzichtete er nicht auf sein Markenzeichen, den eleganten schwarzen Anzug und das auf der Brust geöffnete weiße Dior-Hemd. Auch das Schreiben hat Bernard-Henri Levy in den sechs Monaten nicht vernachlässigt, in denen er zwischen Paris und den Kampfgebieten der libyschen Rebellen hin- und herpendelte. Im Gegenteil. Das Ergebnis liegt seit gestern vor: ein 640-Seiten-Wälzer mit dem Titel „Der ungeliebte Krieg“, in dem der Philosoph mit dem Dandy-Gehabe sein Engagement bei der Befreiung des Landes von seinem Diktator Muammar al Gaddafi beschreibt.

Manches ist dem Leser bekannt. Wie er nach dem Ausbruch der Rebellion über Ägypten nach Libyen reiste zum Beispiel, in Bengasi den soeben gebildeten Nationalen Übergangsrat (CNT) aufsuchte und deren Repräsentanten nach einem Anruf im Elysée-Palast am 10. März dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy zuführte. Dass Sarkozy bei dieser Zusammenkunft von der Notwendigkeit einer militärischen Intervention überzeugt werden musste, behauptet Levy nicht. Denn schon vorher hatte Sarkozy entschieden: „Gaddafi muss weg.“ Die Libyer rannten bei ihm also nur offene Türen ein. Dennoch war Levy von Sarkozys Zusage überrascht: „Es geschah ein Wunder in dem Augenblick.“

Auch Frankreichs Waffenlieferungen an die Rebellen sind bekannt. Neu ist, was Levy über das Zustandekommen schreibt. „Was brauchen Sie genau?“, habe Sarkozy den Militärchef der Rebellen Abdel Fatah Junes gefragt. Der habe ihm eine Wunschliste mit gepanzerten Geländewagen, Funkgeräten, Panzerabwehrwaffen, Kalaschnikows und Raketenwerfern übergeben. Am Tag darauf habe Junes die Mitteilung erhalten, das Material sei schon im Kampfgebiet. „Da der Empfänger – Sie wissen, wen ich meine – nicht bezahlt hat, erhalten Sie es.“

Levy erzählt nicht die Geschichte des Libyenkriegs, aber viele Geschichten aus diesem Krieg und die Rolle, die er darin spielte. Zum Beispiel wenn er mit den Rebellen „Hammel mit fettem Reis“ teilte oder für sie das „Manifest für ein freies Libyen“ redigiert. Für BHL, wie der 63-Jährige genannt wird, sei im Libyenkrieg der Traum seines Lebens in Erfüllung gegangen, meint „Le Monde“, der Traum des „engagierten Intellektuellen“, der wie Lawrence von Arabien oder André Malraux nicht nur Chronist, sondern auch Akteur des Weltgeschehens sein will. Hans-Hagen Bremer

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