PORTRÄT BERTRAND DELANOE PARISER BÜRGERMEISTER: : „Klarheit und Mut“

Die Reihe der Aspiranten ist lang. Fast jeder, der in Frankreichs Parti Socialiste der Führung angehört, macht sich Hoffnungen auf die Nachfolge des im Herbst aus dem Amt scheidenden Ersten Sekretärs Francois Hollande.

Hans-Hagen Bremer

Von Laurent Fabius, dem ehemaligen Premierminister, der schon einmal kurzzeitig an der Spitze der Partei stand, über Ségolène Royal, der im vergangenen Jahr gegen Nicolas Sarkozy unterlegenen Präsidentschaftskandidatin, bis zu dem Jungtürken Manuel Valls, ehedem Sprecher des Ex-Premierministers Lionel Jospin, glauben viele, die Linke erneuern und in der nächsten Präsidentenwahl 2012 zum Sieg führen zu können. Neuester Anwärter auf die Parteiführung ist seit dieser Woche auch Bertrand Delanoe, der sozialistische Bürgermeister von Paris.

Bisher hatte Delanoe seine Absichten allenfalls im kleinen Kreis anklingen lassen. Mit dieser gespielten Zurückhaltung gleicht er seinem Berliner Amtskollegen Klaus Wowereit, mit dem er einen Erfahrungsaustausch über kommunale Fragen pflegt. Mit der Veröffentlichung eines Diskussionsbeitrags zur Zukunft der Sozialisten meldete Delanoe jetzt, wie es der Parteitradition entspricht, seine Ansprüche an. „Klarheit und mutige Entscheidungen“ fordert Delanoe in dem Dokument, das die Debatte über die Erneuerung der Partei beleben und die Kandidatur des Autors fördern soll. 93 Sozialisten, unter ihnen viele Bürgermeister großer Städte, haben ihre Unterschrift unter das Papier gesetzt.

Für das Tauziehen um die Nachfolge Hollandes zeichnet sich damit eine Konfrontation zwischen Royal, die sich trotz ihrer Niederlage weiter großer Beliebtheit erfreut, und Delanoe als dem kommenden Mann der Linken ab. In Umfragen bescheinigen ihm die Franzosen Fähigkeit zu höchsten Aufgaben. Der Partei gehört der 57-jährige Wirtschaftsfachmann seit 1977 an. Als Abgeordneter zählte er mit dem späteren Premierminister Jospin zur „Bande vom Montmartre“. Nach seinem Einzug ins Rathaus räumte der zu cholerischen Anfällen neigende Maire mit der seit der Amtszeit des Vorgängers Jacques Chirac praktizierten Klientelwirtschaft auf und packte die drängenden Verkehrs- und Wohnungsprobleme der Millionenstadt an. Bei der Kommunalwahl im März bereiteten ihm die Pariser einen Triumph, als sie ihm mit 57 Prozent der Stimmen eine solide Basis für eine zweite Amtszeit und zugleich ein Sprungbrett in die nationale Politik verschafften. Hans-Hagen Bremer

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