• PORTRÄT BILL BRATTON EX-POLIZEICHEF VON NEW YORK:: „Verhaften, verurteilen, einsperren“

PORTRÄT BILL BRATTON EX-POLIZEICHEF VON NEW YORK: : „Verhaften, verurteilen, einsperren“

Lars Halter
Foto: Reuters
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Dass kein britisches Blut in seinen Adern fließt, kostet Bill Bratton den Traumjob. Weil das britische Parlament glaubt, dass nur ein echter Untertan der Queen den altehrwürdigen „Metropolitan Police Service“ in London führen kann, darf Amerikas Super-Cop nicht Chef werden, sondern nur Berater. Machen will er den Job trotzdem, auch wenn ihm nun die offizielle Ernennung durch die Queen entgeht. Für Bratton ist das nebensächlich, immerhin hat ihm die Königin 2009 bereits den Ehrentitel „Commander of the Most Excellent Order of the British Empire“ zuerkannt.

Bratton ist weit gekommen, seit er in den Sechzigerjahren den Bostoner Migrantenstadtteil Dorchester verließ und zum Boston Police Department ging. Er machte rasant Karriere, stolperte aber über seine Ambitionen: Einem Journalisten verriet er, dass er es auf den Chefposten abgesehen hatte – umgehend wurde er entlassen.

Doch anschließend konnte er sich als Chef des New York Police Department unter Bürgermeister Rudy Giuliani richtig entfalten. Als Anhänger der „Broken-Windows-Theorie“ setzte er darauf, in Problemstadtteilen aufzuräumen und Kleinkriminellen den Kampf anzusagen. Eine Theorie amerikanischer Sozialforscher besagt, dass ein harmloses Problem wie etwa zerbrochene Fenster an leer stehenden Häusern zu Verwahrlosung führt und weitere, größere Probleme nach sich zieht.

Aus dieser Erkenntnis leitete Bratton seine „Zero Tolerance Policy“ ab und machte gegen Schwarzfahrer und öffentliches Urinieren mobil. Bekanntestes Opfer seiner Aufräumarbeiten: die „Squeegee Men“, die an Kreuzungen die Fensterscheiben von Autos putzten und um ein Handgeld bettelten. Die verschwanden schnell, gleichzeitig ging die Kriminalität drastisch zurück. Bratton wurde als Held gefeiert, und wieder wurden ihm seine Ambitionen zum Verhängnis. Als erste New Yorker Bratton als Bürgermeister vorschlugen, zog Giuliani den Schlussstrich. Der Top-Cop ging nach Los Angeles, wo gerade Rassenunruhen tobten. Auch hier sorgte er für dramatisch sinkende Verbrechensraten.

In London sieht er ähnliche Probleme wie in den US-Metropolen und vor allem Klärungsbedarf: „Das junge kriminelle Element fürchtet die Polizei nicht mehr“, sagt der 63-Jährige. „Sie müssen verstehen, dass die Polizei Rechte hat – Leute anzuhalten und im Notfall Gewalt anzuwenden. Wir müssen Kriminelle verhaften, verurteilen, einsperren.“ Lars Halter

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