• PORTRÄT BOB WOODWARD BUCHAUTOR UND JOURNALIST:: „Das Weiße Haus hat mir verhüllt gedroht“

PORTRÄT BOB WOODWARD BUCHAUTOR UND JOURNALIST: : „Das Weiße Haus hat mir verhüllt gedroht“

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Wenn Bob Woodward sich zu Wort meldet, hören Politiker und Medienkollegen in den USA meist genau hin. Als junger Reporter im zweiten Berufsjahr hatte er 1972 mit Carl Bernstein den „Watergate“-Skandal aufgedeckt: den offenbar von oben gedeckten Einbruch in die Wahlkampfzentrale der Demokraten. 1974 trat der republikanische Präsident Richard Nixon deshalb zurück. Seitdem hat Woodward 16 Bücher geschrieben, mit denen er zum Multimillionär wurde. Zumeist sind es Chroniken, in denen politische Weichenstellungen beschrieben werden, zum Beispiel, wer wann wie an den Entscheidungen zum Irakkrieg beteiligt war. Dafür interviewt er möglichst viele Beteiligte. In der „Washington Post“, deren Chefredaktion er für ein symbolisches Gehalt von einem Dollar angehört, liest man ihn fast nur noch, wenn er mit Appetithäppchen die Neugier auf das nächste Buch weckt.

Jetzt ist der 69-Jährige erneut in den Schlagzeilen. Ein Mitarbeiter Obamas habe ihm wegen eines unliebsamen Artikels „verhüllt gedroht“, er werde das noch bereuen. Pikant ist die ungewohnte Schlachtordnung. Woodward galt bisher im Zweifel als Sympathisant der Demokraten. Von einem Angriff auf die Meinungsfreiheit aber redet inzwischen niemand mehr. Der Vorfall zählt wohl eher zu den Insidergeschichten, für die sich die Beteiligten des politischen Betriebs weit mehr interessieren als Bürger fern der Hauptstadt.

Woodward hatte Obama vor wenigen Tagen in einem Kommentar vorgeworfen, er breche im aktuellen Streit um die Haushaltskürzungen frühere Absprachen mit den Republikanern. Er verlange zusätzliche Steuereinnahmen, obwohl es in dieser Runde nur um Einsparungen gehen sollte. Das ist eine eigenwillige Interpretation, die sonst nur Konservative verbreiten. Tatsächlich dreht sich der Streit seit Jahren um die richtige Mischung aus niedrigeren Ausgaben und höheren Einnahmen.

Obamas Wirtschaftsberater Gene Sperling, mit dem Woodward zuvor gesprochen hatte, war verärgert. Am Telefon wurde er laut. Tags drauf entschuldigte er sich. Ihr E-Mail-Austausch wurde nun öffentlich. Im Kontext dort kann man die Passage mit der „Drohung“, Woodward werde dies noch bereuen, auch anders verstehen, nämlich: Guter Freund, denk doch an deinen Ruf, ehe du so etwas Falsches schreibst. Die „New York Times“ urteilt: In Washington „formt sich ein Konsens, dass Woodward diesmal zu weit gegangen ist“. Christoph von Marschall

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