Porträt : "Bobby Kennedy wurde im Juni ermordet"

Hillary Clinton, Kandidatin im US-Präsidentschaftswahlkampf, kämpft obwohl sie eigentlich keine Chancen mehr hat.

Christoph von Marschall

War es nur ungeschickt, war es bösartig oder ganz harmlos? Hillary Clinton wird dauernd gefragt, warum sie noch im Rennen ist. In South Dakota, einem der letzten drei Vorwahlstaaten, gab sie ihre Standardantwort: Die Nominierung sei nicht entschieden; kein Kandidat habe die nötigen Delegierten zusammen. Dann fügte sie an, auch früher habe sich die Entscheidung hingezogen. Ihr Mann Bill hatte die Kandidatur 1992 erst im Juni sicher, „und wir alle erinnern, dass Bobby Kennedy im Juni in Kalifornien ermordet wurde“.

Der Verweis auf das traumatische Jahr 1968, in dem erst der schwarze Bürgerrechtler Martin Luther King einem Attentat zum Opfer fiel und dann der damalige Hoffnungsträger der Demokraten, Robert Kennedy, empörte viele. Für ganz Misstrauische klang es so, als spekuliere Clinton, auch Barack Obama könne ermordet werden – und das öffne ihr den Weg. Obama hatte im Mai 2007 staatlichen Personenschutz erhalten, anderthalb Jahre vor der Wahl und damit früher als je zuvor ein Präsidentschaftskandidat. Clinton entschuldigte sich, allerdings nicht bei Obama, sondern bei den Kennedys. Dort fand sie auch einen Fürsprecher: Robert F. Kennedy Jr., Sohn des Ermordeten. Er unterstützt Hillary. Fast alle anderen Kennedys stehen auf Obamas Seite.

Obama führt uneinholbar

In der Tat hatte Clinton im März Ähnliches gesagt. Damals war ihr Rennen gegen Obama offen, es klang wie eine theoretische Prognose: Vorwahlen können sich bis in den Juni hinziehen, siehe 1992, siehe 1968. Der Vergleich hinkt aber. Die Vorwahlen begannen damals Ende Februar, nicht am 3. Januar wie 2008. Bill war 1992 seit März der einzige Kandidat im Rennen. Da klingt Hillarys Hinweis, auch er habe erst im Juni die Nominierungsmehrheit gehabt, schräg. Seit dem 22. Mai führt Obama uneinholbar und am Sonntag sagte der ehemalige Präsident Carter über die „Superdelegierten“: „Viele von uns werden ihre Entscheidung sehr schnell nach der letzten Vorwahl am 3. Juni treffen. Dann ist für sie die Zeit gekommen aufzugeben.“

Auch ein anderer ihrer Vergleiche traf auf Empörung: Demokratie in Amerika und Simbabwe. Am 31. Mai entscheidet die Parteiführung über die Vorwahlen in Florida und Michigan. Sie zählen bisher nicht, weil beide Staaten die Regeln gebrochen haben. Anfangs war auch Hillary für diese Strafe. Jetzt braucht sie die Stimmen und behauptet: Wer Florida und Michigan nicht zähle, sei nicht besser als die Wahlfälscher in Simbabwe. Christoph von Marschall

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