PORTRÄT BOB DUDLEY CHEF VON BP: : „Ich bin nicht zufrieden“

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Vor einem Jahr, als im Golf von Mexiko Öl aus dem Untergrund sprudelte und BP immer tiefer in sein Bohrinsel-Debakel schlitterte, schien Bob Dudley der richtige Mann für den damals schwersten Job der Welt zu sein. Während sich BP-Chef Tony Hayward, ein Engländer, mit jedem Wort tiefer in den Ölmorast redete, wurde der blonde Amerikaner mit dem schütteren Haar zum Mann des Vertrauens. Der damalige Chef von BP USA hatte eine weiche Schale und einen harten texanischen Kern. Sein Südstaatenakzent weckte Vertrauen.

Am Dienstag zog Dudley nun in London Bilanz und gab zu: „Ich bin nicht zufrieden.“ Er meinte nicht die elf Menschen, die bei der Explosion auf der „Deepwater Horizon“ getötet wurden oder die 5 Millionen Barrel Öl, die ins Meer flossen. Die Aufräumarbeiten gehen ihren Gang. 6,8 Milliarden Dollar wurden an Entschädigung bezahlt. Aber Dudley muss auch BP wieder zu seiner alten Größe zurückführen, und das ist nicht gelungen.

Über 5 Milliarden Dollar Profit im zweiten Quartal, das ist nicht schlecht, wenn man weiß, dass es vor einem Jahr, als die Krisenrechnung präsentiert wurde, 17 Milliarden Dollar Minus waren. Aber die BP-Aktionäre wollen mehr. Der Ölpreis ist hoch, die Konkurrenten fahren dicke Gewinne ein und BP tritt auf der Stelle herum.

Einen Versuch machte Dudley. Der Wachstumspfad von BP sollte in die Arktis führen, wo unbeschreibliche Ölvorräte unter dem tauenden Eis liegen: Fünf Prozent BP wollte er gegen zehn Prozent des russischen Staatskonzerns Rosneft tauschen. Wenn man so was jemand zutrauen konnte, dann Dudley: Jahrelang leitete er in Russland das Joint-Venture TNK-BP. Er galt wegen seines Verhandlungsgeschicks als „Außenminister von BP“. Hatte er vergessen, dass seine Zeit in Russland mit einer Nacht- und Nebelflucht endete, weil die Regierung Putin ihn drangsalierte und sein Visum nicht verlängerte? Kurzum – auch der neue Deal überlebte die Intrigen der russischen Geschäftsmafia nicht.

Am Dienstag bekam er die Quittung dafür präsentiert. Dass die Profite nicht so gut sind, hätten die Analysten verschmerzt. Aber sie können Dudleys Zukunftsstrategie nicht erkennen. BP ist immer noch nur halb so groß wie vor der Krise. Der Aktienpreis stagniert. Eigentlich wäre BP ein Übernahmekandidat – nur wagt sich niemand an das „Deepwater“-Erbe ran. „Dudleys Schonzeit ist vorbei“, sagten am Dienstag die ersten Analysten. Matthias Thibaut

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