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PORTRÄT BRADLEY MANNING MUTMASSLICHER INFORMANT: : „Wikileaks und ich haben gar nichts enthüllt“

16.12.2011 17:45 Uhrvon

Am Freitag begann auf dem US-Militärstützpunkt Fort Meade nahe Washington die Anhörung des Mannes, der angeblich der Auslöser spektakulärer Enthüllungen über die Kriege im Irak und Afghanistan war. Der 23-jährige Gefreite Bradley Manning soll die vertraulichen Unterlagen aus Datenbanken des US-Militärs heruntergeladen und an die Internetplattform Wikileaks weitergegeben haben. Die Anklage wirft ihm Geheimnisverrat und Unterstützung des Feindes vor.

Wikileaks veröffentlichte die Dateien 2010: im April das „Bagdad- Video“, das die Bordkamera eines Kampfhubschraubers von einem Gefecht in Bagdad 2007 aufgenommen hatte, bei dem zwei Journalisten starben; im Juli 76 000 Dateien zum Afghanistankrieg, im Oktober 391 000 Dokumente zum Irak und im November 250 000 Berichte amerikanischer Diplomaten über ihre Gastländer und deren Spitzenpolitiker.

Die Geschichte müsse neu geschrieben werden, behauptete Wikileaks-Gründer Julian Assange. Er betreibe eine neue Form des investigativen Journalismus.

Die Verteidigungsstrategie Mannings und seines Anwalts David Coombs besteht darin, genau das zu widerlegen. Die Dokumente, die Mannings weitergegeben haben soll, hätten doch gar keine Sensationen enthalten, und ihre Veröffentlichung habe den USA keinen Schaden zugefügt. Um das zu beweisen, möchte Coombs Mannings Vorgesetzte bis hinauf zu Ex- Verteidigungsminister Gates und Präsident Obama vorladen. Zudem sei Mannings psychisch krank, habe aber keine Hilfe bekommen.

In den USA hatten die Medien Julian Assange und seine Thesen von Anfang an kritisch betrachtet. Fast alles, was er als angebliche Sensationen anpries, hatten US- Medien längst berichtet. Über das Gefecht in Bagdad mit den getöteten Journalisten hatte Pulitzerpreisträger David Finkel 2009 ein Buch mit allen Details geschrieben. In Europa wurden Assange und Wikileaks vorübergehend als Helden betrachtet. Auch diese Geschichte musste neu geschrieben werden. Gegen Assange wird wegen sexueller Nötigung ermittelt. Ehemalige Weggefährten wie Daniel Domscheit-Berg werfen ihm vor, er habe sich nie an die Transparenz und demokratische Kontrolle gehalten, die er von anderen verlangte. Als Manning 2010 festgenommen wurde, versprach Assange finanzielle Hilfe für die Verteidigung aus den Spenden, die an ihn und Wikileaks flossen. Auch davon hat man nichts mehr gehört. Christoph von Marschall

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