PORTRÄT CARLOS SLIM MULTIMILLIARDÄR: : „Profit entsteht durch Sparsamkeit“

Philipp Licherbeck
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Wahrscheinlich muss man nicht nur bei den Superreichen Lateinamerikas vorsichtig sein, wenn man ihre herausragenden unternehmerischen Fähigkeiten lobt. Doch für sie gilt im Besonderen: Ihre sagenhaften Vermögen sind oft nicht auf ganz legalem Wege zustande gekommen. Der Mexikaner Carlos Slim, der sich mit einem Vermögen von etwa 70 Milliarden Dollar seit einigen Jahren ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Bill Gates um die Position als „reichster Mann der Welt“ liefert, bildet da keine Ausnahme.

Es ist bekannt, dass er den Großteil seines Reichtums dem Kauf des mexikanischen Telefonmarkts verdankt, als dieser 1990 unter dem korrupten Präsidenten Carlos Salinas privatisiert wurde. Slim kam damals über seine guten Verbindungen völlig unter Wert in den Besitz der Telefongesellschaften Telmex und América Movil, die beide eine Monopolstellung haben. Die Mexikaner zahlen seitdem laut OECD mit die höchsten Telefontarife der Welt.

América Móvil ist heute mit mehr als 250 Millionen Nutzern vor allem in Lateinamerika die viertgrößte Telefongesellschaft der Erde. Allerdings versucht die neue mexikanische Regierung, Slims Marktmacht per Aufsichtsbehörde zu brechen. Slim sagt, das sei für ihn kein Problem – Profit entstehe durch Effizienz, gutes Management und Sparsamkeit.

Nun hat er über América Móvil ein Angebot zur Übernahme des niederländischen Telekomkonzerns Royal KPN vorgelegt, zu dem E-Plus gehört. Es ist bisher unklar, was Slims Erwerb für den geplanten Verkauf von E-Plus an den Konkurrenten O2 heißen würde, der zur spanischen Telefónica zählt. Slim soll den Verkauf ablehnen, weil ihm der Preis von fünf Milliarden Euro zu niedrig ist.

Neben seinen Geschäften auf dem Telefonmarkt besitzt der 73-Jährige Unternehmungen in den verschiedensten Branchen: Hotels, Öl, Versicherungen und Fußballvereine. Slims Vater wanderte 1902 aus dem Libanon nach Mexiko ein, Carlos soll im elterlichen Geschäft das Handeln gelernt haben. Und bis heute führt der nicht für persönliche Extravaganzen bekannte Mexikaner sein Imperium wie ein Familienunternehmen. Gerne stellt der hochgebildete Slim auch seine philanthropische Ader aus, etwa sein Engagement gegen Polio. In einem Interview sagte er: „Die Menschheit macht einen Zivilisationswandel durch, dessen Nervensystem die Informationstechnologie ist.“ Er mischt kräftig dabei mit. Philipp Licherbeck

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