PORTRÄT CAROL BARTZ GESCHASSTE YAHOO–CHEFIN: : „Ich wurde am Telefon gefeuert“

Lars Halter
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Mit Ali Baba sollte man sich nicht anlegen und mit Alibaba.com schon gar nicht. Genau das tat Carol Bartz aber unmittelbar nach ihrem Amtsantritt als Chefin von Yahoo. Keine gute Idee, denn der chinesische Internetriese ist einer der Hauptinvestoren bei dem amerikanischen Onlineportal, und sein kühles Verhältnis zur neuen Chefin begleitete deren gesamte Zeit im Chefsessel. Die ist nun abgelaufen und zwar aus einer ganzen Reihe von Gründen: Bartz, die als Top-Managerin vor zweieinhalb Jahren einen Turnaround bei dem stagnierenden Web-Pionier einleiten sollte, ist gescheitert. Yahoo hatte in der Zeit vor Bartz Marktanteile eingebüßt, keine klare Anzeigenstrategie, keine wirklich neuen Ideen. Dumm nur, dass man das alles auch heute nicht sieht.

Der Konzern sollte wie Phoenix aus der Asche steigen, so die Analysten 2009. Ein Haufen Asche liegt immer noch herum. Die Yahoo-Aktie wird an der elektronischen Börse Nasdaq auf dem gleichen Niveau wie vor Carol Bartz gehandelt, der Phoenix ist nie geschlüpft. Mit dem schwierigen Branchenumfeld kann sich Bartz nicht rechtfertigen. Immerhin setzte der Hauptkonkurrent Google seinen kometenhaften Aufstieg in den letzten Jahren ungebremst fort, und auch Facebook galoppierte davon. Yahoo gelang gerade einmal eine Kooperation mit Bing, der Suchmaschine von Microsoft, ansonsten profilierte sich Bartz durch Kostensenkungen. Um die Kasse zu schonen, versetzte sie Mitarbeiter in Zwangsurlaub und strich die traditionelle Yahoo-Weihnachtsparty.

Einer ganzen Reihe von Managern wurde schnell klar, dass Yahoo stagnierte. Sie verabschiedeten sich reihenweise von dem Unternehmen. Bei der letzten Aktionärsversammlung waren die Rufe nach einem Rausschmiss der Chefin nicht zu überhören. Wenn Carol Bartz bliebe, sorgte sich ein Investor, drohe man weitere Talente in der Firma zu verlieren. Darauf wollte es der Vorstand nicht ankommen lassen. Am Dienstagabend wurde die 63-Jährige gefeuert, und zwar „am Telefon“, wie sie in einer E-Mail an die Kollegen beteuerte. Heute geht vieles eben formlos, auch bei Carol Bartz. Die verfasste ihren Schrieb an die Mitarbeiter auf dem iPad, wie sie sagt. Auch in der Vergangenheit hat sie selten Wert auf Formelles gelegt. Einem kritischen Blogger feuerte sie während eines Streits einmal ein derbes „Fuck off!“ entgegen, für die Kollegen gab es jetzt viel freundlicher „meine allerbesten Wünsche“.Lars Halter

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