PORTRÄT CHRISTA GOETSCH : „Ich bin immer für was Neues“

Die Hamburger Franktionschefin Christ Goetsch kann nur schwer Emotionen verbergen, wirkt aber überzeugend und glaubhaft.

Dieter Hanisch

Sie wirkt übermüdet – die letzten Wochen sind nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Die Hamburger Fraktionschefin der Grün-Alternativen Liste (GAL), Christa Goetsch, hat einen intensiven Wahlkampf mit bis zu vier Terminen pro Tag hinter sich und nun auch noch tagelange Verhandlungen mit der CDU, um die erste bundesdeutsche schwarz-grüne Regierung auf Länderebene auf den Weg zu bringen. Am heutigen Donnerstag will sie mit dem Ersten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) den Erfolg dieser Verhandlungen verkünden.

Die 55-Jährige ist erst spät in die Politik eingestiegen. Christa Goetsch wurde 1995 Mitglied der GAL. Zwei Jahre später saß sie bereits als Abgeordnete in der Bürgerschaft. Seit Oktober 2002 hat sie dort den Vorsitz ihrer Fraktion. Das wird sich nun wohl ändern, denn die frühere Studienrätin ist als künftige Bildungssenatorin im Senat des Bürgermeisters Ole von Beust (CDU) gesetzt. Sie hat sich stets für die Gemeinschaftsschule stark gemacht.

Die eine Seite der Christa Goetsch: Sie lässt Blumen sprechen und überreicht den Fraktionschefs der anderen Parteien zum Beginn der Legislaturperiode hübsche Sträuße. Emotionen kann sie nur schwer verbergen. Die andere Seite zeigt eine Politikerin, die gut zuhören kann, die zielorientierte Gespräche führt, ihre Impulsivität an der richtigen Stelle einsetzt und auch dem politischen Gegner Respekt abverlangt. Sie wirkt überzeugend und glaubhaft – Tugenden, die Politikern heutzutage nur selten zugebilligt werden. In der Hansestadt hat eine Umfrage vor der Wahl ergeben, dass sie einen erstaunlichen Bekanntheitsgrad von 85 Prozent aufweisen kann.

Sie soll sich künftig auch um die Kita-Belange in der Elbmetropole kümmern – das passt. Mit ihrem Mann gründete sie einst einen deutsch-türkischen Kindergarten. Berührungsängste scheinen ihr fremd. Mit dem CDU-Landesvorsitzenden Michael Freytag ist sie per Du. Für die Pragmatikerin, die gestalten will, geht es um Themen und Inhalte, ist nur Zählbares belastbar. Daher war sie auch keine Verfechterin von Lagerdenken. „Wir sind kein Appendix irgendeiner großen Partei“, sagte sie einmal. Gibt die Basis grünes Licht für die Ehe mit der CDU, dann wird am 7. Mai der neue alte Erste Bürgermeister wieder Ole von Beust heißen, die Zweite Bürgermeisterin aber Christa Goetsch. Jüngst gestand sie: „Ich bin immer für was Neues!“ Dieter Hanisch

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