• PORTRÄT CHRISTIANE AMANPOUR TV-KORRESPONDENTIN:: „Ich will das Ausland weniger fremd machen“

PORTRÄT CHRISTIANE AMANPOUR TV-KORRESPONDENTIN: : „Ich will das Ausland weniger fremd machen“

von
328669_0_04aefd54.jpg
Foto: dpaEPA

Nur weil Christiane Amanpour den Nachrichtensender CNN verlässt, wird es auf dieser Welt nicht weniger Krisen und Kriege geben. Der Unterschied wird sein, dass die Korrespondentin nicht mehr mittendrin steht, weder mitten im Krieg noch mitten in der Krise. Die Journalistin geht zum US-Network ABC, von August an wird sie in Washington die politische Wochenschau „This Week“ moderieren.

Christiane Amanpour will mit 52 Jahren sesshaft werden, deswegen hat sie diese „once-in-a-lifetime-chance“ eines prominenten Fernsehjobs in der amerikanischen Hauptstadt ergriffen. Sagenhafte 27 Jahre ist sie für CNN wieder und wieder um die Welt gesaust, um dort zu sein, wo Nachrichten entstehen. Jim Walton, Präsident von CNN Worldwide, gab den Wechsel mit noblen Worten bekannt: „CNN und Christiane halfen, sich gegenseitig groß zu machen.“ Amanpour reagierte, sie sei für immer dankbar und stolz auf das, „was wir erreicht haben“.

Die Tochter eines Iraners und einer Britin war schon bekannt, als der Golfkrieg 1991 begann. Auch für das Publikum in Deutschland, denn Amanpour hatte – wie immer mit leicht überschlagender Stimme – 1989 die Revolution des Volkes im Osten Deutschlands reportiert. Aber durch ihre Live-Berichterstattung vom Persischen Golf wurde sie berühmt. Es ging um das, was war, was tatsächlich passierte, sie wollte Fakten und Figuren so intensiv und so neutral wie möglich als „live coverage“ zeigen. Es folgten Kriege, Genozide, Krisen und Naturkatastrophen in Afghanistan, Pakistan, Somalia, Ruanda und auf dem Balkan. Kaum ein führender Politiker, der ihr nicht für ein Interview zur Verfügung stand.

Amanpour, längst selbst ein Fernsehstar, garantierte Fairness und Aufmerksamkeit. Sie war zur Marke geworden, ihre gegenwärtige Sendung bei CNN heißt schlicht „Amanpour“. Dieses Prestige wollen sich das Network ABC und seine Informationssparte, die unter der einschlägigen Konkurrenz von Fox News stöhnen, zunutze machen. Und für CNN wird der heimische Markt wieder ein Stückchen schwieriger.

Ihr Antrieb, sagte Amanpour, war und ist, dem jeweiligen Publikum „Nachrichten aus dem Ausland weniger fremd zu machen“. Außenpolitik geriet bei dieser Journalistin immer zur Weltinnenpolitik. Dass die verheiratete Mutter eines Sohnes im Studio bleibt, wenn irgendwo wieder große Krise ist, das wird ihre eigentliche Herausforderung sein. Joachim Huber

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben