• PORTRÄT CHRISTINE BERGMANN MISSBRAUCHSBEAUFTRAGTE:: „Selbstdarstellung liegt mir nicht“

PORTRÄT CHRISTINE BERGMANN MISSBRAUCHSBEAUFTRAGTE: : „Selbstdarstellung liegt mir nicht“

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Foto: Mike Wolff
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Eine starke strukturelle Stellung hat sie nicht, die unabhängige Beauftragte der Bundesregierung, an die Betroffene sich wenden können und sollen. Christine Bergmann ist gewissermaßen der eine Baustein des Konzepts der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in katholischen und anderen pädagogischen Einrichtungen. Der zweite, der Runde Tisch, steht unter Leitung von gleich drei Bundesministerinnen. Die wiederum hatten für ein gemeinsames Vorgehen einige Zeit gebraucht. Die liberale Justizministerin hatte zunächst einen Runden Tisch zur Aufarbeitung der Fälle in katholischen Einrichtungen vorgeschlagen, Bildungsministerin Annette Schavan, CDU, einen zur Prävention. Nun wird Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Runde-Tisch-Arbeitsgruppe zur juristischen Aufarbeitung leiten, und die christdemokratische Familienministerin Kristina Schröder die zur Prävention.

Bergmann, von 1998 bis 2002 ihre Amtsvorgängerin, wird vor allem Ansprechpartnerin sein. Ihre Stärke in diesem Amt: die persönliche Integrität und die Unabhängigkeit von den Institutionen, um die es gehen wird. Und:Sie hat Erfahrung mit schwacher Macht. Als „Gedöns“ hatte Bundeskanzler Gerhard Schröder das Feld bezeichnet, mit dem er Bergmann in seinem ersten Kabinett betraut hat: Kinder, Frauen, Familie, Senioren. Ohne die Doppelquote (Frau und ostdeutsch) wäre die promovierte Pharmazeutin kaum ministrabel gewesen. Ihr Rückzug vollzog sich 2002 so undramatisch wie ihre Amtsführung. Schröder, der die Bedeutung der Familienpolitik nun doch begriffen hatte, wollte einen stärkeren Auftritt und fand ihn in Person von Renate Schmidt.

Bergmann ging vorher und ohne Gesichtsverlust. Und was wie der Abschied der heute 70-jährigen Frau aufs Altenteil aussah, wurde zur Wiederaufnahme eines politischen Langstreckenlaufs. „Auf die Dauer kommt so mehr heraus“, hat sie einmal gesagt, als eine Zeitung ihr einen „Mangel an artikulierter Aufsässigkeit“ vorgeworfen hat. 1961, nach dem Mauerbau, hat die Studentin die verlangte Erklärung verweigert, bedingungslos dem Staat zu dienen. 1989 wollte sie dabei sein: Sie wurde SPD-Mitglied, war bald Präsidentin der Ostberliner Stadtversammlung, eroberte ein Direktmandat im Abgeordnetenhaus, wurde Berliner Arbeitssenatorin. Nach ihrer Ministerinnen- Karriere war sie Ombudsfrau zur Überprüfung der Hartz-IV-Gesetze – eine „Kümmerin“ mit offenem Ohr. Tissy Bruns

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