Porträt Christine O'Donnell : „Es geht um eine Mission, nicht um Wahlkampf“

Tea-Party-Kandidatin Christine O’Donnell, eine politisch etwas abseitige 45-Jährige, schlug den angesehenen republikanischen Abgeordneten der Parteiführung, Michael Castle. Das hilft den Demokarten.

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Diesen Sieg der Rechten betrachtet Amerikas Linke als Geschenk. In Delaware hat die Tea Party bei der Kandidatenaufstellung für die Senatswahl einen weiteren Triumph erzielt: Christine O’Donnell, eine im Auftreten sympathische, aber politisch etwas abseitige 45-Jährige, schlug den angesehenen republikanischen Abgeordneten und Favoriten der Parteiführung, Michael Castle, bei der innerparteilichen Nominierung am Dienstagabend mit 53 zu 47 Prozent. Nach Analyse von Wahlexperten schwinden damit die Chancen der Republikaner, bei der Hauptwahl in sieben Wochen den Senatssitz zu erobern, den der Demokrat Joe Biden 36 Jahre lang innehatte, ehe er Barack Obamas Vizepräsident wurde.

In den Umfragen für die Hauptwahl gegen den Demokraten Chris Coons lag Castle rund zehn Prozent vorn. O’Donnell liegt zehn Prozent hinter Coons. Mit ihrer Aufstellung haben die Republikaner einen nahezu sicheren Sieg in eine hoch wahrscheinliche Niederlage verwandelt. Ohne den Senatssitz von Delaware haben sie zudem keine Chance, den Demokraten die Senatsmehrheit zu nehmen.

Delaware zeigt idealtypisch den Nutzen und den Schaden der Tea Party für die Republikaner. Sie mobilisiert rechte Wähler in weit überdurchschnittlichem Maß, wählen zu gehen und gegen Kandidaten zu stimmen, die ihnen zu moderat erscheinen. In Staaten mit relativ kleiner Parteibasis genügt dieser Effekt, um bei der innerparteilichen Nominierung rechte Politiker aufzustellen. Doch in der Hauptwahl ist das ein Nachteil. Dann stimmen die nicht parteigebundenen Wähler und die Demokraten mit. Auch unter ihnen ist der Wunsch verbreitet, der Regierung Obama einen Denkzettel zu verpassen. Doch so rechtslastige Kandidaten wollen sie nicht wählen.

Diese zwei widerstreitenden Effekte machen die Prognose für die Kongresswahl am 2. November so schwierig. Die Rechte hat den „Enthusiasmusvorteil“. Ihre Anhänger gehen 2010 in hoher Zahl zur Wahl. Viele Demokraten bleiben frustriert zu Hause. Der Rechtsruck republikanischer Kandidaten ist aber ein Nachteil. Einige haben zudem persönliche Schwächen. Christine O’Donnell hat Steuerschulden und Studienkredite nicht zurückgezahlt. Ihre frühere Wahlkampfmanagerin sagt, sie habe Spenden veruntreut. Pathos und Emotionalität verbinden sich mit programmatischer Leere. Sie wettert gegen das Defizit, sagt aber nicht, wie sie es verringern will. Christoph von Marschall

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