Porträt Chuck Hagel : „Ich vertrete Amerikas, nicht Israels Interesse“

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Noch vor Weihnacten werde Barack Obama den Republikaner Chuck Hagel als Verteidigungsminister nominieren, sagen Insider in Washington. Auf den ersten Blick ist das ein Friedensangebot an die konservative Opposition. Aber ob die das auch so sieht und sich mit einer problemlosen Bestätigung des Kandidaten im Senat revanchiert, ist fraglich. Denn Chuck Hagel wird in Israel, dem engsten Verbündeten der USA im Nahen Osten, nicht sonderlich geschätzt. Er betont zwar gerne: „Ich unterstütze Israel.“ Er sagt aber auch, dass „die jüdische Lobby eine Menge Leute einschüchtert“. Israel müsse mit Taten zeigen, dass es den Frieden wolle, und seine Siedlungspolitik beenden. Mit solchen Zitaten werden Republikaner im Senat ihren Ex-Kollegen Hagel, der den Staat Nebraska dort von 1996 bis 2008 vertrat, bei den Anhörungen zu seiner Nominierung konfrontieren.

In Kombination mit dem wahrscheinlichen Außenminister John F. Kerry zeichnet sich ein Sicherheitskabinett in der zweiten Amtszeit Obamas ab, das auf Dialog mit Amerikas Feinden setzt, militärische Gewalt als letztes Mittel begreift und auch auf Verbündete Druck ausübt. 2008 hatten die beiden gemeinsam einen Dialog mit Syrien gefordert. Die „Jerusalem Post“ schreibt: „Kerry und Hagel – gewiss nicht Israels bevorzugte Wahl“. Unter Präsident George W. Bush hatte Hagel mehrfach vor den Folgen eines Militärschlags gegen Irans Atomanlagen gewarnt und einen Dialog gefordert. In anderen Fragen stimmte er hingegen wie die meisten Republikaner, darunter für den Irakkrieg.

Chuck Hagel wurde am 4. Oktober 1946 in North Platte, Nebraska geboren. Er stammt von deutschen und polnischen Einwanderern ab und ist Katholik. Er diente in Vietnam, arbeitete als Radiomoderator und half Ronald Reagan bei der Präsidentschaftswahl. Nach seinem Sieg ernannte dieser ihn zum Vizechef der Veteranenverwaltung. Hagel trat zurück, als die Mittel gekürzt werden sollten. Anfang der neunziger Jahre gründete er Van guard Cellular, eine Firma für Mobiltelefone, wodurch er zum Multimillionär wurde.

Als Obama 2005 in den Senat kam, gehörten Hagel und Richard Lugar zu den Republikanern, die für gemeinsame Initiativen offen waren. Mit Lugar trieb Obama Abrüstungsgespräche mit Russland voran, mit Hagel den Abzug aus dem Irak. Wie die Obamas hat Hagel einen Portugiesischen Wasserhund – beide sind vom selben Züchter. Christoph von Marschall

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