PORTRÄT CONAN O’BRIEN LATE-NIGHT-TALKER: : „Unterhalter für Kinderfeste“

Conan O’Brien bekommt 44 Millionen Dollar, also rund 31 Millionen Euro, dafür, dass er seine „Tonight Show“ beim US-Sender NBC aufgibt.

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Bei den Zahlen können all die Pilawas, Schmidts und Wills nur blass werden: Conan O’Brien bekommt 44 Millionen Dollar, also rund 31  Millionen Euro, dafür, dass er seine „Tonight Show“ beim US-Sender NBC aufgibt. Gut, zwölf Millionen Dollar davon gehen an seine Mitarbeiter, trotzdem ist der 46-Jährige vermutlich der jüngste und reichste Arbeitslose in TV-Amerika.

Aber nicht freiwillig. Der Mann muss nach sieben Monaten Sendeplatz und Schreibtisch für Jay Leno räumen. Der 59-jährige Leno hatte bis 2009 die „Tonight Show“ 17 Jahre lang moderiert, eine „Talkhost“-Legende, so überlebensgroß wie Konkurrent David Letterman bei CBS. Leno war danach von Mitternacht in die Primetime gerückt, O’Brien ihm im Juni nachgefolgt. Das ist beiden und beider Quoten nicht bekommen. Amerika will erst um Mitternacht den Tag aufgearbeitet sehen. Es kam zur Machtfrage und O’Brien machte seinen Witz dazu: „Ihr könnt mich bald als Unterhalter für Kindergeburtstage anheuern.“

Was der Mann aus Brookline, Massachusetts, kann, das hat er ehrgeizig und ausgiebig gelernt. Während seines Studiums schrieb er für das Satiremagazin „Harvard Lampoon“, später, an der Westküste, trat er als Stand-up-Komiker auf, lieferte Sketche für andere, der Großgewachsene entwickelte sich zum passablen Schauspieler und ausgezeichneten Musiker (Gitarre und Schlagzeug). Richtig in die Erfolgsspur kam er durch die Trickserie „The Simpsons“ beim Sender Fox, die er produzierte und für die er Episoden schrieb. Im April 1993 gewann er bei NBC das Casting für eine neue Late-Night-Show, die „Late Night with Conan O’Brien“ war geboren. 16 Jahre später beerbte er Leno. Jetzt wird sein Vorgänger sein Nachfolger.

O’Briens steht für klassische Late-Night: Es gibt den Monolog, in dem er teils nach Script, teils improvisiert den (politischen) Tag aufarbeitet und die Menschen des Tages abwatscht, es gibt zwei prominente Gäste sowie Rituale und Rubriken, so „Conans Tabloid Moments“, in denen sich der Talker spontan in peinlich dargestellten Situationen fotografieren lässt.

Ums Finanzielle muss sich der verheiratete Vater zweier Töchter keine Sorgen machen. Eher um die Frage, wie es beruflich weitergeht. Eine Rückkehr zu Fox scheint in Reichweite, manche erwarten, dass er bei Fox News, dem erfolgreichen Hardcore-RepublikanerSender, landet. Dann aber müsste Conan O’Brien zu Conan, dem Barbaren, mutieren. Joachim Huber

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