• PORTRÄT CONSTANTIN COSTA-GAVRAS JURYCHEF DER 58. BERLINALE: „Für die Medien sind wir nur Marionetten“

PORTRÄT CONSTANTIN COSTA-GAVRAS JURYCHEF DER 58. BERLINALE : „Für die Medien sind wir nur Marionetten“

Das als besonders politisch geltende Filmfestival hat sich mit dem schmalen, hochgewachsenen 74-Jährigen den Meister des Politthrillers schlechthin an Bord geholt.

Jan Schulz-Ojala

Die Zunft der Filmregisseure hat er nicht ausdrücklich gemeint, als er einer Boulevardreporterin vor Jahren den kernigen Satz in den Block diktierte. Sondern wohl eher die Nachrichtennormalverbraucher – und dies, um für die gallige Medienschelte in seinem Geiseldrama „Mad City“ zu werben. Demnächst dürfte der griechisch-französische Regisseur Costa-Gavras in eigener Sache allerdings kaum derlei Sorgen hegen – schließlich ist er als Jurypräsident der 58. Berlinale Gegenstand allseitig medialer Ehrerbietung.

Tatsächlich hat sich das als besonders politisch geltende Filmfestival mit dem schmalen, hochgewachsenen 74-Jährigen den Meister des Politthrillers schlechthin an Bord geholt. Und wenn am Ende ein besonders mutiger Film den Goldenen Bären gewinnen sollte, so wäre das zwar nicht eben überraschend, würde aber die Vita des Festivals und ihres kommenden Oberjurors gewiss schmücken. Spätestens seit der scharfen Kritik an der griechischen Militärdiktatur in seinem dritten Film „Z“, der ihm 1969 den Auslands-Oscar einbrachte, gilt der umgängliche und stets ernste Costa-Gavras, der ursprünglich Konstantinos Gavras hieß und den Freunde „Costa“ nennen, als einer, der mit seinen Filmen Missstände anprangert, um die Welt oder zumindest seine Zuschauer ein bisschen besser zu machen. „Das Geständnis“ (1970), „Der unsichtbare Aufstand“ (1972) und vor allem das amerikakritische Chile-Drama „Missing“, mit dem er 1982 in Cannes die Goldene Palme gewann, sind die Wegmarken seines engagierten Kinos ohne Rücksicht auf politisches Lagerdenken – eines Kinos auch, das ihm nach misslungenen Ausflügen ins Melodram („Die Liebe einer Frau“) immer wieder in Bestform zeigte. Sein jüngster und auch schon wieder fünf Jahre alter Kinofilm „Der Stellvertreter“, nach Hochhuths Theaterstück um die Rolle des Papstes im Nationalsozialismus, wurde allerdings an der Kasse ziemlich gezaust – woran das schwache Echo beim Berlinale-Wettbewerb sicher auslösenden Anteil hatte.

Damals mochte der frisch bestallte Festival-Zampano Dieter Kosslick den Regisseur mit der Berlinale-Kamera flugs getröstet haben. Ob die schöne Geste nun dessen aktuelle Zusage beflügelte? Nicht doch. So marionettenhaft reagieren Großmeister erstens selten. Zudem hat Costa-Gavras schon 1990 mit dem Gerichtsdrama „Music Box“ den Goldenen Bären geholt. Mehr Gelassenheit geht nicht.

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