• PORTRÄT DANIEL ARAP MOI KENIANISCHER EX-AUTOKRAT:: „Ich liebe Kenia und habe nichts genommen …“

PORTRÄT DANIEL ARAP MOI KENIANISCHER EX-AUTOKRAT: : „Ich liebe Kenia und habe nichts genommen …“

Dagmar Dehmer

Denn ich bin ein Christ.“ So hat sich Daniel arap Moi nach 24 Jahren autokratischer Herrschaft in Kenia von der Macht verabschiedet. Im Dezember 2002 wählten die Kenianer Mwai Kibaki, der Moi früher einmal als Vize-Präsident gedient hatte, zum Präsidenten. Seither sind die Zweifel gewachsen, dass Moi damals die Wahrheit gesagt hat. Die Beweise gegen ihn sind sogar ziemlich erdrückend. Monatelang hat die sogenannte Goldenberg-Kommission öffentlich die Verfehlungen auch des früheren Präsidenten öffentlich gemacht. Doch mit einem Korruptionsprozess ist nicht zu rechnen.

Im Gegenteil. Moi, der im kommenden Monat 84 Jahre alt wird, ist von seinem Nachfolger gerade zum Sondergesandten für den Friedensprozess im Sudan ernannt worden. Er soll die Umsetzung des stockenden Abkommens zwischen dem Nord- und dem Südsudan überwachen. Kibaki sagte, Moi sei aufgrund seiner Erfahrung überaus geeignet für eine solche Friedensmission. Tatsächlich hatte Moi schon beim Friedensschluss nach mehr als 20 Jahren Bürgerkrieg im Südsudan eine Rolle gespielt. Sowohl Präsident Omar al Baschir, als auch sein Stellvertreter Salva Kiir, der zugleich Präsident Südsudans ist, haben Mois Ernennung gelobt.

Mois neuer Job zeigt zweierlei. Zum einen die stetige Annäherung zwischen ihm und seinem Nachfolger Kibaki. Seit Monaten wird in Kenia spekuliert, dass Moi, der immer öfter im Präsidentenpalast gesehen wird, wieder aktiv Strippen zieht – und offenbar gewillt ist, Kibaki an der Macht zu halten. Mois Friedensmission zeigt noch etwas anderes: Immer mehr afrikanische Staaten müssen lernen, mit Ex-Präsidenten zu leben.

Viele der geschassten Potentaten versuchen nach dem Abschied von der Macht ihren Einfluss zu retten und aus dem Hintergrund weiter zu regieren – auch Moi. Dass er in Kenia trotz seiner vor allem in den 90er Jahren brutalen Herrschaft weiter Ansehen genießt, hat etwas mit der Rolle der Alten in afrikanischen Gesellschaften zu tun. Die Alten werden geehrt. Ein weiterer Grund, warum Moi vermutlich nie für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden wird. Aber das macht ihn eben auch zu einer aus afrikanischer Sicht guten Wahl für eine Friedensmission. Für nahezu unmögliche Aufgaben müssen aus westlicher Sicht eher unmögliche Kandidaten nicht die schlechteste Wahl sein. Dagmar Dehmer

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