PORTRÄT DANIEL KEHLMANN SCHRIFTSTELLER: : „Schreiben ist etwas Brutales“

Gerrit Bartels
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Foto: dpa

Man muss kein Prophet sein, um sehen zu können, dass Daniel Kehlmann mit seinem am kommenden Freitag erscheinenden neuen Buch „Ruhm“ das Highlight dieses Bücherfrühlings vorlegt. „Ruhm“ wird sich verkaufen wie sonst kein Buch aus der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, sein Autor wird be- und umworben wie kein zweiter in diesem Frühjahr. Und nach ersten inoffiziellen Reaktionen aus dem Kollegenkreis von „ganz schlecht“ bis „schön leicht, aber sehr intelligent“ dürfte „Ruhm“ zudem am kontroversesten besprochen werden. Nur die Krone für den schönsten Buch titel 2009, die bekommt ein anderer: Wilhelm Genazino für seinen Roman „Das Glück in glücksfernen Zeiten“, der im Februar erscheint.

Doch passt natürlich selbst dieser Titel gut auf Kehlmann, der seinen Erfolg mit „Die Vermessung der Welt“ einmal so beschrieben hat: „ein Jackpot in der Lotterie, ein Blitzschlag, nach dem alles anders ist als zuvor“. Tatsächlich gerät jetzt manchmal in Vergessenheit, dass Kehlmann nicht erst seit „Die Vermessung der Welt“ schreibt, sondern mit seinen heute auf den Tag genau 34 Jahren schon ein Werk aus fünf Romanen, einer Novelle, einem Erzählungs- und einem Essayband geschaffen hat.

Sein erster Roman „Beermanns Vorstellung“ erschien 1997, da studierte er noch Germanistik und Philosophie in Wien. Es folgte 1999 „Mahlers Zeit“, ein ambitionierter Roman über einen Physiker, der die Zeit zu überlisten versucht. Der Resonanzraum aber blieb klein, „immerhin lernte ich die wohl gepolsterte Demütigung der Lese reisen kennen: leere Bibliotheksräume, leere Literaturhäuser, leere Buchhandlungen“, so Kehlmann.

Mit dem Künstlerroman „Ich und Kaminski“ wurden 2003 erstmals jenseits des Feuilletons Menschen auf ihn aufmerksam, zum Beispiel Elke Heidenreich. Und erstmals leuchtete auch der Faden tiefrot, der sich durch alle Arbeiten Kehlmanns zieht. Was seine Figuren eint: die Flucht aus dem eigenen, öden Leben hinüber in ein aufregenderes, genialerisches. „Ruhm“ macht da keine Ausnahme. Daniel Kehlmann aber wirkt, als sei er ganz bei sich und im Hier und Jetzt. Er schert sich nicht darum, Signale für den Buchmarkt setzen zu müssen, und erklärte, keinerlei Druck zu spüren. Und der „FAZ“ beantwortete er die Frage auf das Wechselspiel von Leben und Schreiben: „Man sollte versuchen, im Leben einigermaßen anständig zu sein, aber Schreiben ist etwas Brutales und Rücksichtsloses, da hilft nichts.“ 

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