PORTRÄT DAVID BAHATI, ABGEORDNETER IN UGANDA : "Homosexualität ist kein Menschenrecht"

Im Januar war es Ugandas Präsident Yoweri Museveni dann doch etwas mulmig geworden. Monatelang hatte er dazu geschwiegen, dass David Bahati, ein Abgeordneter seiner Regierungspartei NRM, im Oktober einen Gesetzentwurf gegen Homosexualität ins Parlament eingebracht hatte, der in bestimmten Fällen die Todesstrafe vorsieht.

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Foto: Hofer/NYT/laifNYTNS

 Vor ein paar Wochen merkte Museveni schließlich an, durch die Debatte werde „das Ansehen Ugandas im Ausland“ beschädigt. Deshalb ließ er mehrere seiner Minister auf den 35-jährigen Abgeordneten einreden, er möge doch zumindest die Forderung nach der Todesstrafe für Geschlechtsverkehr mit Minderjährigen oder Homosexuelle, die mit dem Aids-Virus HIV infiziert sind, aus dem Gesetz streichen. Doch David Bahati hat bisher keine Einsicht gezeigt. Am Donnerstag bekräftigte er, dass er seinen Entwurf nicht zurücknehmen werde. Im März oder April soll das Parlament nun darüber entscheiden.

Homophobie gehört in Uganda zum guten Ton. Deshalb hat Bahati ziemlich viel öffentliche Unterstützung für sein Gesetz. Dabei kann Homosexualität in Uganda schon jetzt mit Gefängnisstrafen von bis zu sieben Jahren bestraft werden. In 37 der 53 Staaten Afrikas gibt es Anti-Homosexuellen-Gesetze, das jüngste stammt aus dem Frühjahr 2009, als Burundi Homosexualität verbot. Im Sudan und in Mauretanien sowie im Norden Nigerias, wo das islamische Recht, die Scharia, gilt, wird Homosexualität sogar mit dem Tode bestraft. Dennoch scheint Bahati, der als Hobby das „Lesen der Bibel“ angibt, nicht allein von sich aus auf die Idee mit dem Anti-Schwulen-Gesetz gekommen zu sein. Die „New York Times“ berichtete, dass im vergangenen Jahr drei prominente evangelikale Missionare aus den USA in der ugandischen Hauptstadt Kampala dafür warben, Homosexuelle mit Therapien zur Heterosexualität zu kurieren. Wenig später legte Bahati seinen Gesetzentwurf vor. Als Reaktion haben US-Gruppen, die für die Rechte von Homosexuellen kämpfen, mit viel Geld begonnen, bedrängte Aktivisten in Uganda zu unterstützen – ein amerikanischer Kulturkampf auf afrikanischem Boden.

Bahati begründet sein Gesetz mit den „afrikanischen Familienwerten“, die es zu verteidigen gelte. Er hält Homosexualität – wie viele in Afrika – für einen westlichen Import. Dass es rund eine halbe Million Schwule und Lesben in Uganda gibt, sieht er als ein Ergebnis ausländischer Einmischung. 

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