• PORTRÄT DAVID LETTERMAN US-TALKSHOW-GASTGEBER:: „Er hat die Story von Paul Revere versemmelt“

PORTRÄT DAVID LETTERMAN US-TALKSHOW-GASTGEBER: : „Er hat die Story von Paul Revere versemmelt“

Lars Halter
Foto: AFP
Foto: AFPFoto: dpa

Plötzlich wird es ernst für den amerikanischen Late-Night- Talker David Letterman: Eben riss er noch einen Witz über Al Qaida, jetzt fordert ein islamischer Extremist Vergeltung. Amerikanische Muslime sollen „dem niederen Juden die Zunge abschneiden“, schreibt ein irakischer Blogger in dem radikalen Forum Shumukh al-Islam, das seit geraumer Zeit von den US-Behörden überwacht wird. Letterman ist wohlgemerkt nicht jüdisch, sondern evangelisch und stammt aus einer deutschstämmigen Familie. Er wuchs im konservativen Mittleren Westen Amerikas auf, begann seine Fernsehkarriere als einfacher Meteorologe und übernahm vor fast 20 Jahren die abendliche Show des legendären Johnny Carson.

Seither ist er die Definition des gepflegten Humors zu später Stunde – seine Konkurrenz, Jay Leno und Conan O’Brian, stellt er Abend für Abend in den Schatten. In seiner Sendung bemerkte er jüngst über Ilyas Kashmiri, einen möglichen Nachfolger von Osama bin Laden, der von US-Truppen getötet wurde: „Das Ganze hätte eh nicht geklappt. Kashmiri hatte einen ganz schlechten Start … er hat die Story von Paul Revere total versemmelt.“ Das war eine Anspielung auf Sarah Palin, die im Wahlkampf den Patrioten aus dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg völlig falsch beschrieben und sich ein wenig zum Gespött der Medien gemacht hatte.

Im größeren Zusammenhang der „Late Night Show“ war das eher ein flacher Kalauer, doch Letterman findet sich nun auf der Abschussliste von Extremisten wieder – in einer Reihe mit dem Autor Salman Rushdie, dem holländischen Filmemacher Theo van Gogh und den Erfindern der Fernsehserie „South Park“. Von David Letterman gibt es keine offizielle Reaktion auf die Drohung aus dem Irak. Er selbst hat ohnehin schon einiges überstanden: Der Mann wurde von einem schizophrenen Stalker verfolgt und von einem eifersüchtigen Kollegen erpresst. Ein Versuch, seinen Sohn zu entführen, scheiterte, doch für Letterman hieß es stets: „The ,Late Night Show’ must go on“, und zwar immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie, egal ob es um seine von Kritikern zerrissene Performance bei der Oscar-Gala ging („Ich wusste nicht, dass das im Fernsehen gezeigt würde“), eine langwierige Gürtelrose oder um eine knapp überstandene Herzoperation, bei der er einen fünffachen Bypass verpasst bekam. Mit Todesdrohungen kennt sich der Mann also aus.Lars Halter

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben