• PORTRÄT DAVID PATERSON GOUVERNEUR VON NEW YORK:: „Ich strecke die Hand aus zu Republikanern“

PORTRÄT DAVID PATERSON GOUVERNEUR VON NEW YORK: : „Ich strecke die Hand aus zu Republikanern“

Der erste afroamerikanische Gouverneur von New York tritt sein Amt an. Zudem ist er blind. Paterson löst seinen Vorgänger Spitzer ab, der über einen Sex-Skandal stolperte. Ein Porträt

Christoph von Marschall

Sein Amtsantritt am Montag bedeutet eine doppelte Premiere: David Paterson wird erster afroamerikanischer Gouverneur des Staates New York. Und er ist der erste Blinde in dieser Position. Zu dem Amt kommt er – hier stimmt die Redensart – wie die Jungfrau zum Kind: durch Sex, freilich den eines anderen Mannes.

Vorgänger Eliot Spitzer muss nach nur 442 Tagen zurücktreten. Er hatte sich mit einer Hochpreisprostituierten getroffen und im vergangenen Jahr geschätzte 80 000 Dollar für die Leidenschaft ausgegeben. Für ihn war die Aufdeckung nicht nur peinlich, sondern politischer Selbstmord: Der frühere Staatsanwalt hatte sich als Vorkämpfer gegen Sextourismus und raffgierige Wall-Street-Bosse profiliert und verdankte seine Wahl zum Gouverneur 2006 diesem Ruf.

Paterson entstammt einer schwarzen Politikerfamilie in Harlem. Sein Vater Basil war Senator und Verwaltungschef im Staat New York. Auf seinen Rat wird der Sohn hören und zudem wohl Schwarze in die Regierung holen. David Paterson ist vom Temperament her das Gegenteil des quirligen Eliot Spitzer. Der ging keinem Streit aus dem Weg, markierte Hans Dampf in allen Gassen und drohte: Unter mir wird von Tag eins an alles anders.

Das gilt nun umgekehrt, als Wende zu ruhiger Kooperation. Im Staat New York teilen sich Demokraten und Republikaner die Macht, als gäbe es ein Abonnement: Die Demokraten haben die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, die Republikaner im Senat. Dort war Paterson jahrelang Minderheitenführer. Er gewann Respekt und Sympathien der Konservativen. Er ist „liberal“, also ein linker Demokrat, tritt für Stammzellforschung und Abtreibungsfreiheit ein, möchte Parlament und Regierung so reformieren, dass die politischen Abläufe transparenter für die Bürger werden. Auch Ausländern wollte er das Wahlrecht in New York geben, der Vorstoß scheiterte.

Senatsmehrheitsführer Joseph Bruno verspricht Paterson Unterstützung. Auch er wünscht Parteifrieden, schon um die von Spitzer gegen ihn eingeleiteten Untersuchungen zu überstehen, ob er Privilegien wie den Gebrauch von Flugzeugen widerrechtlich ausnutzte. Die „New York Times“ verbindet deshalb Licht und Schatten mit dem Wechsel. Gut sei es, wenn die Periode einer Konfrontation aus Prinzip ende. Schlecht aber, wenn daraus ein fauler Frieden werde und jede Partei die andere schone – zum Schaden der Bürger. Christoph von Marschall

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