PORTRÄT DIANA WADE KOMPANIEFÜHRERIN: : „Nennen Sie mich einfach Chef!“

Sie ist Oberleutnant bei der Bundeswehr und übernimmt nun das Kommando über eine Kompanie. Im kommenden Jahr geht's nach Afghanistan. Dass sie dort sterben könnte, weiß Diana Wade.

Sarah Kramer

Die Frauen sind auf dem Vormarsch – auch beim deutschen Militär. Diana Wade war eine der ersten, die 2001 vom kurz zuvor beim Bundesverfassungsgericht erstrittenen Recht auf den Dienst an der Waffe Gebrauch machte und sich bei der Bundeswehr zum Offizier ausbilden ließ. Acht Jahre später übernimmt die 28-jährige Heeressoldatin nun Führungsaufgaben: Ab diesem Freitag hat Oberleutnant Wade das Kommando über die 6. Kompanie des Logistikbataillons 171 in Burg (Sachsen-Anhalt). Sie ist erst die dritte Soldatin in Deutschland, der eine solche Karriere gelingt. Derzeit leisten rund 16 700 Frauen bei der Bundeswehr ihren Dienst.

Von der bei der Bundeswehr üblichen Form der weiblichen Anrede – Frau plus Dienstgrad – hat die gebürtige Sächsin bereits Abstand genommen: „Ich habe beim Vorstellungsgespräch gesagt, dass ich von Vorgesetzten und Untergebenen mit Oberleutnant Wade oder Chef angesprochen werden möchte. Alles andere empfinde ich als diskriminierend.“

Auf ihrem neuen Dienstposten ist sie für 122 Soldatinnen und Soldaten verantwortlich – eine Aufgabe, die sowohl Verwaltungstätigkeiten und Personalangelegenheiten umfasst als auch die Planung von militärischen Übungen. Letztere werden für einen großen Teil der Einheit in Zukunft von entscheidender Bedeutung sein: In der zweiten Jahreshälfte 2010 geht es für zahlreiche Soldaten des Bataillons zum Auslandseinsatz nach Afghanistan.

Vom deutschen Militärstützpunkt Masar-i-Sharif aus werden Wade und ihre Kompanie dann die im Norden des Landes stationierten deutschen Soldaten der internationalen Afghanistanschutztruppe Isaf mit Nachschub versorgen; womöglich auch die, die im zunehmend durch Talibanangriffe gefährdeten Kundus Dienst tun. Dass sie beim Einsatz am Hindukusch unter Umständen ihr Leben lassen könnte, dessen ist sie sich bewusst: „Mit diesem Thema muss man sich als Soldat immer auseinandersetzen“, sagt Wade. „Der Tod ist die Gefahr meines Berufs.“

Zur Bundeswehr kam Diana Wade aus Liebe zu ihrem damaligen Freund und jetzigen Ehemann, einem Hauptfeldwebel. Wades Mann war selbst schon mehrfach im Auslandseinsatz, unter anderem bei der Friedenstruppe Kfor im Kosovo. Der Soldat hat seiner Frau ausführlich von Erlebnissen und Gefühlen während seiner Zeit im Ausland berichtet, hat ihr Tipps gegeben, worauf es beim Militärdienst fern der Heimat ankommt. Zum Beispiel, dass es wichtig ist, sich auch innerhalb der Grenzen eines Stützpunktes persönlichen Freiraum und etwas Ruhe zu verschaffen: „Man muss seinen Kameraden klarmachen, dass man auch mal fünf Minuten für sich alleine braucht. Schließlich sind wir mehrere Monate auf engstem Raum zusammen“, sagt sie.

Für Wade, die in ihrer Freizeit mit großer Leidenschaft angelt, Motorrad fährt und die Welt bereist, war die Kameradschaft in der Truppe ein ausschlaggebender Grund für den Eintritt in die Bundeswehr – und die Tatsache, dass man es beim Militär mit vielen Menschen zu tun bekommt. „Ich bin ein sehr kommunikativer Typ“, sagt sie über sich, „und sehr gewissenhaft.“ Charaktereigenschaften, die bei der Bundeswehr wohlgelitten sein dürften. Ob Frohsinn auch dazugehört? Ohne den geht es bei Oberleutnant Wade weder privat noch beruflich: „Jeder Tag, an dem ich nicht gelacht habe, ist ein verlorener Tag.“ Sarah Kramer

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