Porträt : „Die Beobachter verdrehen die Wahrheit“

Südossetiens Präsident Eduard Kokoity gilt auch für russische Verhältnisse als Hardliner. Als Architekt der Wiedervereinigung mit der zu Russland gehörenden Nordhälfte Ossetiens will er in die Geschichte eingehen.

Elke Windisch
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Der südossetische Präsident Eduard Kokoity. -Foto: dpa

Als Dreck hat Georgiens damaliger Präsident Swiad Gamsachurdija uns Südosseten schon 1991 bezeichnet, als er unsere Autonomie aufhob. Als Dreck, der mit dem georgischen Besen auf den Müllhaufen der Geschichte gekehrt werden muss.“ Vor laufender Kamera des russischen Staatsfernsehens ringt Eduard Kokoity, der Chef des Separatistenregimes in Südossetien, um jeden weiteren Millimeter lichter Körperhöhe und holt dann zum finalen Befreiungsschlag aus: Nach Georgiens „Völkermord“ hätten sich alle Gemeinsamkeiten mit Tiflis für immer erledigt. Jetzt hat er seine „Regierung“ entlassen – und angekündigt, nur junge, fleißige Beamte zu ernennen, „die das Gemeinwohl und nicht ihren persönlichen Vorteil“ im Auge hätten.

Unverkennbar, wer sein politischer Mentor ist: Mit fast identischen Bewegungen wie Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin setzte er sich bei der Pressekonferenz in Moskau letzte Woche auf dem klobigen Prunksessel zurecht, ähnlich triumphierend fielen auch die Blitze aus, die seine kalten Augen in alle Richtungen schleuderten. Auf Freund und Feind.

Von Letzteren hat der bullige Ex-Sportlehrer, der 1980 georgischer Landesmeister im Freistilringen wurde, mehr als genug. Sogar in Russland, wohin sein international nicht anerkannter Zwergstaat mit Macht drängt. Ob es daran liegt, wie die Sprecher im hiesigen russischen Fernsehen mit dem Namen des 43-Jährigen umspringen? Bei den meisten wird aus Eduard Kokoity Eduard Kakoj-ty, das heißt übersetzt: Eduard, wer bist du eigentlich?

Gute Frage. Kritische Journalisten beschreiben ihn seit Jahren als Kriminellen mit besten Kontakten zu russischen Geheimdienstlern. Aus dem Kreml kamen dazu weder Bestätigungen noch Dementis. Dort hat man sich offenbar beim Umgang mit dem Separatisten-Häuptling die gleichen Regeln verordnet wie die USA Ende der achtziger Jahre gegenüber Panamas Diktator Manuel Noriega. Ein entsprechender O-Ton von George Bush senior gilt als verbürgt: Er ist ein Hundesohn, aber unser Hundesohn.

In der Tat, die Loyalität von Don Manuel gegenüber seinen Gönnern in Washington war über jeden Zweifel erhaben. Die von Don Eduard gegenüber dessen Paten in Moskau ist es, seit Kokoity im Dezember 2001 zum „Präsidenten“ Südossetiens gewählt wurde, nicht minder. Seinen Wahlsieg verdankt er vor allem dem Clan der Tedejew-Brüder: Albert mit besten Beziehungen zu Russlands Geheimdiensten; Dschambulat, Ex-Ringerweltmeister, heute Trainer der russischen Nationalmannschaft – beide mit ausgeprägt merkantiler Begabung. Die Erlöse ihrer dubiosen Unternehmen steckten sie teils in den Aufbau paramilitärischer Einheiten, teils in den Wahlkampf von Kokoity, der damals in Moskau um sein täglich Brot kämpfte. Zunächst als Türsteher einer Spielhölle, dann als Leiter der südossetischen Handelsvertretung.

Kokoity gilt auch für russische Verhältnisse als Hardliner. Als Architekt der Wiedervereinigung mit der zu Russland gehörenden Nordhälfte Ossetiens will er in die Geschichte eingehen – freilich ohne zu erkennen, dass Moskau dies kaum dulden kann, würde es doch die Gelüste vieler anderer Kaukasusvölker nach einer neuen Grenzziehung wecken. Dass der Ex-Boxer nichts anderes ist als eine Schachfigur im Moskauer KGB-Intrigenspiel, übersteigt wohl die Vorstellungskraft des Ex-Türstehers.

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