Porträt : „Die Jugend vertraut der Politik nicht“

Deutschland fehlt politischer Nachwuchs. In Kanada rekrutierte eine Partei einfach einen charismatischen Studentenführer - der prompt zum Polit-Star wurde.

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"Er ist süß." - Besonders unter jungen Wählern hat der ehemalige Studentenführer Léo Bureau-Blouin (Mitte) Anhänger.
"Er ist süß." - Besonders unter jungen Wählern hat der ehemalige Studentenführer Léo Bureau-Blouin (Mitte) Anhänger.Foto: AFP

In Québec gilt er als „politische Sensation“. Der Aufstieg von Léo Bureau-Blouin ist atemberaubend. Vor wenigen Monaten trat er als Anführer der Québecer Studentenunruhen in die Öffentlichkeit. Nun sitzt der telegene 20-Jährige als Abgeordneter des separatistischen „Parti Québécois“ in der Nationalversammlung, dem Provinzparlament Québecs – der jüngste in der Geschichte.

Die Antwort der jungen Québecerin kommt ohne Zögern: „Er ist süß“, sagt sie auf die Frage, was Léo Bureau-Blouin so attraktiv mache. „Er ist jung, sieht gut aus, spricht gut und ist intelligent“, sagt eine andere. Aber Unterstützung durch junge Wähler allein hätte ihm im Wahlkampf nicht genügt. Auch für Ältere ist er eine „Inspiration“, ein Kontrast zu den altgedienten Kämpen und der verkrusteten Struktur der Provinzpolitik.

Er wolle das Bild aufbrechen, Politiker seien „die alten Typen, die immer nur das gleiche sagen“, sagt Bureau-Blouin. Und: „Die Jugend hat das Vertrauen in die Politik verloren.“ In seinem Wahlkreis Laval besiegte er den Liberalen Alain Paquet, der neun Jahre lang Abgeordneter gewesen war, und trug dazu bei, dass die Separatisten eine Minderheitsregierung bilden können.

Während der monatelangen Studentenunruhen gegen die geplante Erhöhung der Studiengebühren, die Québec erschütterten und zu den Wahlen führten, war Bureau-Blouin jeden Abend im Fernsehen, als eher mäßigende Stimme. Mit Beginn der Ferien ließen die Demonstrationen nach und Léos Mandat als Vorsitzender der Studentenvereinigung von Quebec endete. Dann suchte ihn Pauline Marois, PQ-Vorsitzende und künftige Regierungschefin, persönlich als Kandidat für einen Wahlkreis aus. Es war ein kluger Schachzug. Marois hat bereits die Rücknahme der Erhöhung der Unigebühren angekündigt, eines der Wahlkampfthemen Léos. Aber der junge Mann, dessen Eltern in der Kunstszene Québecs aktiv sind, will nicht auf dieses Thema reduziert werden: Die Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit, den Umweltschutz und die Eigenständigkeit Québecs, das Ziel des PQ, hat er sich ebenfalls vorgenommen.

„Nein, er wird jetzt kein Minister“, beendete Pauline Marois Spekulationen, der kometenhafte Aufstieg des Jungpolitikers werde direkt in die Regierung führen. Etwas mehr als ein Hinterbänkler wird er aber schon sein, nämlich Jugendbeauftragter der Regierung. Nebenbei will der Jungstar weiter studieren. Viele prophezeien ihm eine große Zukunft.

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