Porträt : "Die Regierung könnte morgen schon stehen"

Gianfranco Fini ist der künftige Parlamentschef Italiens. Was zeichnet ihn aus?

Andrea Dernbach

In dieser Personalie steckt eine Menge Symbolik: Gianfranco Fini, soll Präsident des Abgeordnetenhauses werden. 65 Jahre nach der Absetzung Mussolinis beerbt ein – geläuterter – Postfaschist den bisherigen Präsidenten Fausto Bertinotti von der „Kommunistischen Wiedergründung“. Und er wird an der Spitze des ersten Parlaments in der Geschichte der italienischen Republik stehen, in der kein Kommunist mehr vertreten ist. Die „Rifondazone“ hatte es nicht einmal im Bund mit Grünen und anderen Linken geschafft, die nötigen vier Prozent für den Einzug ins Parlament zu schaffen.

Finis Marsch durch die Institutionen ist damit sehr wahrscheinlich noch nicht beendet. Der 56-Jährige ist der natürliche Kronprinz des 71-jährigen Berlusconi, dem nachgesagt wird, dass er eigentlich nur noch Staatspräsident werden will. Und während die anderen „ragazzi“ des Cavaliere ihn schon lange durch Widerborstigkeit geärgert und sich zuletzt von ihm losgesagt hatten, hat sich Fini in letzter Zeit durch unverbrüchliche Treue empfohlen.

Auf dem Weg Richtung Palazzo Chigi, zum Amtssitz des Ministerpräsidenten in Rom, ist Fini seit bald 20 Jahren. 1987 trat der studierte Pädagoge die Nachfolge des Haudegens Giorgio Almirante an der Spitze des „Movimento sociale italiano“ (MSI) an – und begann praktisch sofort mit einem umfassenden Umbau jenes Sammelbeckens von alten Kameraden und Faschismusnostalgikern, dem er bereits als 17-Jähriger beigetreten war. „Römischer Gruß“, schwarze Hemden und offener Antisemitismus waren auf einmal nicht mehr Teil des Comments. 1994 trat Fini in die erste Regierung Berlusconi ein und im Jahr 1995 gab sich seine Partei auf ihrem Parteitag in Fiuggi sogar einen neuen Namen, der den Wandel zum bürgerlichen Rechtskonservatismus beglaubigen sollte und all jenen heimatlosen Christdemokraten eine Alternative bieten sollten, die sich in Berlusconis Forza Italia nicht zu Hause fühlten.

Die Wende ging nicht ohne Stolpern ab. Erklärte Fini noch 1994 Mussolini zu einem der größten Staatsmänner der Jahrhunderts, so leistete er 2003, als Außenminister, beim Besuch in der Holocaustgedenkstätte Jad Vaschem Abbitte, als er den Faschismus als das absolute Böse bezeichnete. Wenn seine AL demnächst mit Forza Italia verschmilzt, wird der Makel ihrer Geburt aus Geist und Personal des Faschismus endgültig getilgt sein – und Fini der wahrscheinlichste (über-)nächste Regierungschef Italiens.

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