Porträt : „Die Regierung macht sich das Volk zum Feind“

Amina Janjua vermisst ihren Mann seit über drei Jahren. Er wurde von Pakistanischen Sicherheitsdiensten verschleppt, genauso wie hunderte andere Männer - ohne Anklage oder Anwalt.

Ruth Ciesinger

Manchmal denkt Amina Janjua, sie kann nicht mehr. Über drei Jahre sind vergangen, seitdem ihr Mann Masood verschwunden ist. Zusammen mit einem Ingenieur wollte der Geschäftsmann den Bus von Rawalpindi nach Peschawar nehmen. Beide kamen nie dort an. Seitdem hat Amina Janjua nichts mehr vom Vater ihrer drei Kinder gehört, dennoch weiß sie, was ihm zugestoßen ist. Pakistans Sicherheitsdienste haben Masood Janjua verschleppt, andere frühere Gefangene haben das bezeugt. Auch sie waren ohne Anklage, ohne Anwalt, ohne Nachricht an die Familie entführt und zum Teil jahrelang in Geheimgefängnissen verhört, viele von ihnen gefoltert worden. Hunderte, schätzen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, wurden so Opfer von Pakistans Antiterrorkampf.

Nachdem ihr Mann verschwunden war, hatte Jamina Janjua sogar beim damaligen Präsidenten Pervez Musharraf versucht, Gehör zu finden. Geholfen hat es nichts, aber sie lernte andere Familien kennen, die ihr Schicksal teilten. Vor zwei Jahren gründete sie mit einigen von ihnen die Organisation "Defence of Human Rights" – sie vertritt heute mehr als 570 sogenannte Vermisste.

Statt Terroristen immer öfter Oppositionelle verhaftet

Ex-Innenminister Sherpao hatte sich vor einem Jahr gebrüstet, der US-Alliierte Pakistan habe seit 2001 "4000 Extremisten und Terroristen" festgenommen, 2000 seien an andere Länder ausgeliefert worden. Doch wurden laut Menschenrechtlern statt Terroristen immer mehr Oppositionelle und Angehörige von Minderheiten verschleppt. Nachdem sich der oberste Richter Iftikar Chaudhry Masoods Fall und denen anderer Vermisster annahm, dauerte es daher nicht lange, bis Ex-Militärdiktator Musharraf versuchte, ihn aus dem Amt zu werfen.

Nun hat Pakistans neue Regierung versprochen, die Fälle der Vermissten rasch aufzuklären. Nur: "Im Februar haben wir gewählt", sagt Amina Janjua. "Seither ist nichts passiert." Die über 400 Gerichtsverfahren, die Chaudhry eingeleitet hatte, wurden nicht wieder aufgenommen. Amina glaubt, dass die Regierung zu schwach ist, etwas gegen den Willen der Geheimdienste zu tun, die zum Militär gehören. Jetzt wollte sie in den USA über den Missstand berichten, doch das Visum wurde ihr vor dem Abflug ohne Angabe von Gründen entzogen. "Ich weiß nicht, ob ich meinen Mann jemals wiedersehen werde", sagt sie, und in ihren Augen glänzen Tränen. 

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