Porträt : Die undiplomatische Diplomatin

Susan Rice ist eine der wichtigsten außenpolitischen Beraterinnen des US-Präsidenten und seine Botschafterin bei den UN. Siegt Obama im November, könnte daraus noch mehr werden.

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Eine leise Diplomatin ist sie nicht. Susan Rice sagt, was sie denkt. Damit ist sie mehrfach angeeckt. Zu Beginn ihrer Karriere im Auswärtigen Dienst der USA galt sie als überdurchschnittlich intelligent und ehrgeizig, aber auch als zu wenig flexibel. Als Botschafterin der Regierung Obama bei der Uno ist sie meist an der Spitze der Bewegung zu finden und zieht eher andere mit, als sich von ihnen bremsen zu lassen.

Die 47-Jährige gilt als eine der drei maßgeblichen Personen bei der Entscheidung, den Aufstand in Libyen so weit militärisch zu unterstützen, dass die Rebellen Muammar Gaddafi stürzen konnten. Die Männer in Obamas Kriegskabinett plädierten für Vorsicht, erstens wegen der Unklarheit, ob nicht Fundamentalisten nach dem Regimewechsel an die Macht gelangen würden; zweitens aus Rücksicht auf die US-Wähler, die nach Afghanistan und Irak keinen weiteren Einsatz amerikanischer Truppen in einem islamischen Land unterstützen würden. Drei Frauen gaben den Ausschlag zugunsten eines begrenzten US-Eingreifens aus der Luft sowie indirekter Waffenlieferungen. Rice und Obamas Menschenrechtsbeauftragte Samantha Power überzeugten Außenministerin Hillary Clinton. Zu dritt zogen sie den Präsidenten auf ihre Seite.

Nun ringt Rice um eine klarere Unterstützung der Opposition in Syrien. Russland und China verhindern das mit ihren Vetomöglichkeiten im Uno-Sicherheitsrat. Rice hält das für einen strategischen Fehler. Moskau und Peking würden für lange Zeit die Sympathien in der arabischen Welt verspielen, prognostiziert sie. Doch in Syrien scheut auch Obama vor einer aktiveren Politik zurück. Waffenlieferungen an Syriens Opposition überlässt er arabischen Ländern.

Der Schlüssel zu Rice’ Interventionismus liegt in ihrer Arbeit für die Clinton-Regierung. Aus innenpolitischen Erwägungen unternahm der Präsident nichts gegen den Völkermord in Ruanda 1994. Sie empfand das als ein moralisches Versagen der Weltmacht. Sollte es erneut zu einer ähnlichen Krise kommen, wolle sie „mit lauter Stimme kämpfen und lieber mit fliegenen Fahnen untergehen“.

Politisches Engagement hat Tradition in ihrer Familie. Ihr Vater war Ökonomie-Professor an der Cornell University und zweiter schwarzer Gouverneur der Notenbank. Die Mutter beackert die Bildungspolitik bei der Brookings Institution. Rice macht sich nun Hoffnungen, Außenministerin in der zweiten Amtszeit Obamas zu werden. Christoph von Marschall

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