Porträt: Diego, Bremer Fußballstar : „Das waren die besten Jahre meines Lebens“

Niemand spielt so filigran wie er: Beim DFB-Pokalfinale in Berlin ist er noch einmal zu bewundern, Diego Ribas da Cunha.

Frank Hellmann

Alles, was er tut, scheint Eingebungen zu folgen. Leicht führt er den Ball, präzise passt er ihn weiter, mit Effet schießt er ihn ins Tor. Niemand, von Franck Ribéry abgesehen, hat in der Bundesliga so filigran gespielt in den vergangenen Jahren. Heute, beim DFB-Pokalfinale in Berlin, ist er noch einmal zu bewundern, Diego Ribas da Cunha.

Werder Bremens Nummer zehn hat gegen Bayer Leverkusen die finale Chance auf dem Fuß. Als der 24-Jährige bei der Verkündung seines Wechsels zu Juventus Turin betonte, sein Fokus richte sich allein auf dieses Endspiel, stimmte das allein deshalb, weil trotz aller Kunst- und Kabinettstückchen sein Wirken an der Weser noch titellos ist. Diego hat in 127 Pflichtspielen zwar stolze 52 Tore und viele Vorlagen geliefert – aber nichts gewonnen. Deshalb, so heißt es, bestehe ein kleiner Unterschied zwischen der teaminternen und externen öffentlichen Wertschätzung.

Beim ballverliebten Brasilianer sind es eher die individuellen Momente, die herausstechen. Aber auch er hat mit seinem Lustfußball den Verfall im Alltag nicht aufgehalten – weil er sich wegen einer Unbeherrschtheit eine lange Sperre einhandelte; weil er sich außerhalb des Platzes verirrte, mit falschem Auto oder Alkohol am Steuer fuhr, mit einer bekannten Popsängerin durch Hamburg und Bremen turtelte.

Übel genommen haben ihm die Hansestädter das nie, schließlich war der Star meist freundlich und zugänglich, auch wenn er partout kein Deutsch sprechen (und lernen) wollte. Gleichwohl: Wer schrieb nach dem Training am längsten Autogramme? Wer tanzte bei Szenepartys im Ratskeller mit normalen Vergnügungssuchenden? Diego. „Ich werde mit großer Sehnsucht an Bremen zurückdenken“, sagt er, rückblickend auf „drei tolle Jahre, die besten meiner Karriere und meines Lebens“.

Dieses Leben hatte – seine schicken Autos mal außen vor – weniger Glamour, als man vermuten sollte. Der kommende Star der Serie A begnügte sich in der deutschen Wahlheimat mit einem Reihenhaus. In der Wohnung stand ein Billardtisch. Aber am häufigsten hielt er sich am Computer mit der Webcam auf, um mit Mutter Cecilia im fernen Ribeirao Preto zu telefonieren. Die Gespräche mit seinem beratenden Vater Djair da Cunha dagegen verliefen eher kurz und sachlich. Meist ging es um den nächsten Besuchstermin, das neueste Angebot. Das letzte Angebot führte ihn schließlich von der Weser wieder weg. Frank Hellmann

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