PORTRÄT DIETER NUHR KOMIKER: : „Bei mir geht es immer um Gott und die Welt“

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Foto: RBB/Claudius Pflug
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Der Vorgang ist nicht ganz frei von Ironie. Bei der Spielshow „Null gewinnt“ räumt nicht der Kandidat ab, der die meisten Punkte holt, sondern die wenigsten. An Gewinnern hat es der ARD-Vorabendsendung nie gemangelt, aber jetzt produziert das Format nur Verlierer. „Null gewinnt“ wird am 1. März aus dem Programm genommen, die Moderatoren Ralph Caspers und Dieter Nuhr werden verabschiedet. Nicht das erste und sicher nicht das letzte Format, das in der „Todeszone“ (ARD-Programmdirektor Volker Herres) wegen zu niedriger Marktanteile untergeht.

Dieter Nuhr erfährt hier, was auch schon Thomas Gottschalk erfahren musste. Die Popularität, die auf anderen TV-Feldern gewonnen werden konnte, die lässt sich nicht einfach in den Vorabend transferieren. Nuhr ist von Hause aus kein Spieleonkel, er ist Kabarettist und Comedian – und damit beim Publikum erfolgreich. Seine Tourneen sind bestens besucht, das Programm „Ich bin’s nuhr“ hatte mehr als eine halbe Million Besucher. Dieter Nuhr hat das Kabarett in der ARD, nach dem Abgang von Dieter Hildebrandt und dem Zwischenspiel von Matthias Richling ins Trudeln geraten, als Gastgeber und Vorturner beim „Satire Gipfel“ stabilisiert; „Nuhr 2012 – Der Jahresrückblick“ war ein Pointenfest.

Der 1960 im niederrheinischen Wesel geborene Künstler findet bei seinen Auftritten einen eigenen Ton, indem er die Comedian- und die Kabarettrolle mischt. „Ich bin Kabarettist, denn bei mir geht es immer um Gott und die Welt.“ Und er sei Comedian, denn was er mache, sei im besten Falle lustig, im schlechteren wenigstens lustig gemeint. Nuhr sieht die Welt nicht aus dem Blickwinkel des verzweifelten Misanthropen, sondern er nimmt den Irrsinn, der in der Welt tobt, und führt ihn mit Witz und Wortspiel ab. Nuhr kommt keinem und schon gar nicht seinem Publikum blöde. Wer bei ihm lacht, der hat mitgedacht.

Dieter Nuhr hat sein Studium der Geschichte und Kunstpädagogik mit dem Ersten Staatsexamen 1988 abgeschlossen. Da war er schon als Kabarettist aufgetreten. Seit 1994 ist Nuhr solo unterwegs, 1998 gewann er den Deutschen Kleinkunstpreis. So einer bleibt vom Fernsehen nicht unentdeckt, er war bei der ARD, beim ZDF, bei RTL, bei Sat 1. Jetzt konzentriert sich der verheiratete Familienvater und Fotograf mit Ambition und eigenen Ausstellungen auf seine übrigen ARD-Aufgaben. Und da heißt das Ergebnis eben nicht zwangsläufig: Nuhr verliert. Joachim Huber

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