PORTRÄT DIETRICH GARLICHS GESCHÄFTSFÜHRER: : „Unicef ist einmalig“

Unicef Deutschland muss mit den Vorwurf der Spendenverschwendung gefallen lassen. Außerdem sollen undurchsichtige Beraterverträge geschlossen und üppige Honorare geflossen sein. Geschäftsführer von Unicef Dietrich Garlichs im Porträt

Ulrike Scheffer

Dietrich Garlichs ist ein Mann mit Stehvermögen. Und er hat gute Freunde. Der 60-Jährige führt seit 1989 die Geschäfte von Unicef Deutschland. Ende vergangenen Jahres geriet er in die Kritik, weil er ehemaligen Mitarbeitern üppige Beraterhonorare gezahlt hatte. Nicht immer wurden zudem ordnungsgemäße Verträge abgeschlossen, wie eine Prüfung von KPMG ergab.

Mal wurden demnach hohe Summen auf der Grundlage mündlicher Vereinbarungen gezahlt, mal waren die Verträge nicht gegengezeichnet. Einen großen Korruptionsskandal, wie anfangs viele vermuteten, konnten die Prüfer nicht erkennen: Den untersuchten Honoraren standen Leistungen gegenüber, die Vergütungen entsprachen marktüblichen Sätzen, heißt es sinngemäß in ihrem Bericht. Dennoch kommt Unicef nicht aus den Schlagzeilen heraus. Und das hat viel mit Garlichs und seinen Freunden im Unicef-Vorstand zu tun. Denn weder der Geschäftsführer noch seine zehn Vorstandskollegen wollen einsehen, dass sie Unicef unprofessionell führen und der Organisation so immensen Schaden zufügen.

Tatsache ist, dass Unicef in der Regel weit weniger als das marktübliche Honorar an externe Berater zahlt – und deshalb noch immer die Frage im Raum steht, warum ausgerechnet bei ehemaligen Mitarbeitern tiefer in die Tasche gegriffen wurde. Außerdem wird Geschäftsführer Garlichs kaum kontrolliert, obwohl er hohe Millionenbeträge verwaltet. Dem Vorstand wurden in der Vergangenheit zwar Kostenpläne vorgelegt, doch die waren kaum aufgeschlüsselt. So entging dem Kollegium unter anderem, dass der Umbau der Kölner Unicef- Zentrale am Ende knapp eine Million Euro kostete. Detaillierte Honoraraufstellungen fehlten ebenfalls. Dennoch wurde Garlichs immer wieder das Vertrauen ausgesprochen. Bei Unicef herrscht offensichtlich das Prinzip: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.

Erst als die ehrenamtliche Vorsitzende Heide Simonis durch ein anonymes Schreiben auf die laxen Geschäftspraktiken des Geschäftsführers hingewiesen wurde, sah der Vorstand die Notwendigkeit, über seine Strukturen nachzudenken. Das Ergebnis: Künftig soll ein Finanzausschuss über die Ausgaben bei Unicef wachen. Simonis, die auch öffentlich mehr Transparenz forderte, hat seither jedoch keine Freunde mehr im Vorstand der Organisation – und ihr Amt inzwischen entnervt aufgegeben. Garlichs hingegen sitzt weiter fest im Sattel.Ulrike Scheffer

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