Porträt Dina Talaat : "Bauchtanz ist kein Striptease"

Obwohl in der konservativen ägyptischen Gesellschaft kaum noch eine muslimische Frau ohne Kopftuch oder Schleier auf die Straße geht, gehört zu jeder anständigen Hochzeit eine Bauchtänzerin. Nun wird Bauchtanz-Star Dina Talaat bedrängt - wegen eines Auftritts vor Minderjährigen.

Andrea Nüsse
Dina Talaat
Die Bauchtänzerin Dina Talaat. -Foto: AFP

Der Kontrast könnte größer nicht sein: Vor den Augen der verhüllten Braut und ihren ebenso hochgeschlossen gekleideten weiblichen Gästen kommt unweigerlich der Augenblick lässt eine halbnackte Tänzerin die Hüften schwingen und übt sich in lasziven Bewegungen. Für das westliche Auge wirkt das ungemein erotisch – doch in Ägypten gilt es als eine angeblich vorpharaonische Tradition, welche der Islamisierung der Gesellschaft getrotzt hat.

Doch nun scheint auch am Nil die Debatte entbrannt, ob Bauchtanz Erotik oder Kulturgut ist. Die neben Fifi Abdouh berühmteste Bauchtänzerin Dina ist in die Schlagzeilen geraten, weil sie bei einer Abiturfeier vor Minderjährigen aufgetreten ist. Ein Anwalt hat die Tänzerin, die Schulleitung und den Bildungsminister verklagt.

Dina kann darüber nur lachen: Sie sei schon oft vor Schülern aufgetreten und jedes ägyptische Mädchen übe sich spätestens ab seinem siebten Lebensjahr im Bauchtanz. Doch bei Dina geht es um mehr als Bauchtanz: Die in Rom geborene Ägypterin ist mit ihrem provokativen Tanzstil und ihrem ausschweifenden Lebensstil zum anrüchigen Sexsymbol geworden. Fünf Mal war sie verheiratet – dreimal davon heimlich. Ihren Ruf ruiniert hat jedoch die Liaison 2003 mit dem berühmten Geschäftsmann Hossam Abu al Futuh: Der ehemalige Importeur von BMW in Ägypten hatte in ihrer gemeinsamen Liebesvilla heimlich das Sexspiel mit der attraktiven Tänzerin gefilmt. Bei einer Hausdurchsuchung wegen angeblicher Steuerhinterziehung fiel das Filmmaterial in die Hände der Behörden – und das Sexvideo gelangte ins Internet. Es wurde auf Handys heruntergeladen und als CD verkauft: Ein absoluter Bestseller im ach so konservativen Ägypten.

Trotz öffentlicher Reue hängt der Skandal Dina bis heute an – und so ist ihr Bauchtanz heute für gewisse Leute anrüchig oder sexuell erregend. Doch dies gilt natürlich nicht für den Bauchtanz an sich, denn solch grundsätzliche Debatten meidet die ägyptische Gesellschaft. Sollte wirklich ein Verfahren gegen Dina eröffnet werden, könnte dies dennoch die gesamte Branche weiter in Verruf bringen. Doch auch dafür findet Ägypten eine Lösung: Dann treten noch mehr russische Bauchtänzerinnen auf – Hauptsache sie sind keine Muslimas.

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