PORTRÄT DOMINIQUE STRAUSS-KAHN, IWF-CHEF: : "Die Wahl 2012 ist nicht mein Thema"

Nicolas Sarkozy hat ihn nach Washington weggelobt. Und wenn er jetzt nach Paris kommt, sind die Franzosen plötzlich des Lobes voll.

Hans-Hagen Bremer

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy glaubt, einen geschickten Schachzug getan zu haben, als er 2007 den früheren sozialistischen Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss- Kahn auf den Posten des Generaldirektors des Internationalen Währungsfonds (IWF) weglobte. Das könnte sich als Irrtum erweisen. Denn Strauss-Kahn, den Sarkozy bei einer Kandidatur im Frühjahr 2012 für den einzig ernst zu nehmenden Gegner auf der Linken hält, ist in Washington zwar weit weg von der französischen Politik. Doch für die Franzosen gewinnt Strauss-Kahn als Alternative zum derzeitigen Amtsinhaber zunehmend an Attraktivität. 36 Prozent nannten ihn kürzlich laut einer Umfrage den besten Kandidaten, den die Linke aufzubieten hätte. Nach einer neueren Erhebung könnte er, wenn jetzt Wahl wäre, mit 51 Prozent der Stimmen gegen Sarkozy gewinnen.

Während Martine Aubry, seit einem Jahr Sozialistenchefin, mühsam um die zerstrittene Partei ringt, von ihrem Vorgänger François Hollande keiner mehr spricht und von der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal niemand mehr etwas hören will, blickt alles auf Strauss-Kahn. In die französische Innenpolitik einzugreifen, verbieten ihm die Statuten des IWF. Daran hält er sich auch. „2012 ist nicht mein Thema“, sagt er. Wenn er in Paris ist, privat oder, wie diese Woche, um über die Lehren aus der Finanz- und Wirtschaftskrise zu sprechen, drängen sich nicht nur Parteifreunde um ihn.

Dass DSK, wie er genannt wird, nach Washington ging, erweist sich jetzt für ihn als die richtige Entscheidung. In der Krise hat er an der Spitze des IWF bisher einen fehlerfreien Parcours absolviert, sein Wort hat Gewicht und mit den Großen der Welt verkehrt er auf Augenhöhe. Dass er in den Augen der Franzosen an Statur gewonnen hat, erklärt sich allerdings auch aus der Tatsache, dass er – den Niederungen der französischen Politik enthoben – bei vielen Franzosen ein Gefühl der Erwartung erzeugt.

Strauss-Kahns Freunde lassen es offen, ob er dieser Erwartung entsprechen kann. Sein IWF-Mandat endet im September 2012. Schon im Herbst 2010 wollen die Sozialisten in einer Vorwahl ihren Kandidaten für 2012 küren. Für ihren Wunschkandidaten wäre das viel zu früh, meinen seine Anhänger. Sie plädieren für einen im zweiten Halbjahr 2011, damit Strauss- Kahn seine Popularität bei den Franzosen möglichst bewahrt.

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