• PORTRÄT EDUARDO PAES BÜRGERMEISTER VON RIO:: „Weltmeister Argentinien? Ich bringe mich um“

PORTRÄT EDUARDO PAES BÜRGERMEISTER VON RIO: : „Weltmeister Argentinien? Ich bringe mich um“

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Er verstand es als Drohung, seine Gegner wohl eher als Versprechen. In einem Interview mit dem „Guardian“ hat der Bürgermeister von Rio de Janeiro, Eduardo Paes, gesagt, er werde sich umbringen, sollte im kommenden Jahr Argentinien Fußballweltmeister werden. Offenbar war es ein Versuch, die britischen Gesprächspartner zum Lachen zu bringen. Doch nun lacht Rio über Paes, im Internet wird über ihn gespottet. „Könnte es sein, dass Argentinien plötzlich mehr Fans in Rio hat, als die brasilianische Seleção?“, fragen die einen. Andere antworten: „Argentina, Argentina!“

Um die Dimension zu verstehen, muss man wissen, dass zwischen Brasilien und Argentinien ein Konkurrenzverhältnis existiert. Wer gibt in Südamerika kulturell und politisch den Ton an? Die Vorstellung, dass die Argentinier 2014 im Maracanã-Stadion den WM-Pokal in den Händen halten könnten, wäre für viele Brasilianer ein Albtraum. Zumal es exakt 64 Jahre nach der Ur-Katastrophe geschähe: dem Sieg von Uruguay über Brasilien an gleicher Stelle.

Was hat Eduardo Paes also getan, um sich so unbeliebt zu machen? Der 43-Jährige regiert Rio de Janeiro seit 2009. Seine Kritiker werfen ihm vor, Rio rücksichtslos umzubauen, seitdem die Stadt als Austragungsort für Fußball-WM und Olympische Spiele feststeht. Statt die Metropole mit sieben Millionen Einwohnern zu einen, spalte er Rio weiter: in Arm und Reich, Nord und Süd, Vergessen und Verwöhnt.

Paes, der Jura studierte und schon mit 23 Jahren in die Politik ging, wurde in seiner ersten Amtszeit mit dem „Choque de Ordem“ berühmt, dem Ordnungsschock, der sich gegen informelle Verkäufer in Copacabana und Ipanema richtete. Paes selbst stammt aus dem noblen Stadtteil Jardim Botânico. Seine Verwaltung verfolgt gigantische Infrastrukturprojekte, darunter mehrspurige Schnellstraßen und die Verlängerung der U-Bahn ins Oberklasseviertel Barra da Tijuca. In den Favelas lässt das Rathaus hingegen Seilbahnen bauen, aus denen Touristen sich die Armenviertel von oben anschauen können.

Ein weiterer Vorwurf lautet, dass die Polizei zwar Favelas im Zentrum Rios „befriede“, aber riesige Bezirke im Nordwesten in Kriminalität versänken. Wütend sind viele Einwohner auch, weil der Umbau des Maracanã-Stadions umgerechnet eine halbe Milliarde Euro gekostet hat, während woanders nicht einmal die Müllabfuhr funktioniert. Philipp Lichterbeck

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