PORTRÄT EIKE BATISTA MILLIARDÄR MIT VERLUSTEN: : „Die Welt gehört den Kühnen“

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Anfang 2012 war Eike Batista noch der siebtreichste Mensch der Welt, sein Vermögen betrug nach Angaben des Wirtschaftsmagazins „Forbes“ 23 Milliarden Euro. Damals war es das Ziel des brasilianischen Unternehmers, den Mexikaner Carlos Slim als reichsten Mann der Welt abzulösen. Heute, nur anderthalb Jahre später, wird Batista nicht einmal mehr zu den 200 vermögensten Personen der Welt gezählt – mittlerweile soll er weniger als fünf Milliarden Euro besitzen. Der Fall des 57-Jährigen wird bereits als symptomatisch für Brasiliens stagnierende Wirtschaft interpretiert. Tatsächlich könnte der Zusammenbruch seines Firmenimperiums die sechstgrößte Ökonomie der Welt in eine tiefe Krise stürzen: Batista muss Kredite in Höhe von vier Milliarden Euro bei mehreren staatlichen Banken des Landes bedienen.

Batista ist Chef der Holding EBX, zu der fünf Unternehmen mit insgesamt 20 000 Angestellten gehören. Sie sind in verschiedenen Branchen tätig: Energie, Logistik, Bergbau und Offshore-Technologie. Wertvollste Firma im Portfolio war die 2007 gegründete OGX, die Ölfelder im Atlantik ausbeuten sollte. Für das Vorhaben gewann Batista Investoren, weil er es spielend verstand, sie vom Erfolg seiner Unternehmungen zu überzeugen. „Die Welt gehört den Kühnen“, sagte er gerne.

Der OGX-Börsengang erbrachte 2008 rund vier Milliarden Euro. Nun aber reißt OGX den Mutterkonzern in die Tiefe. Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass die Förderarbeiten schon 2014 wieder eingestellt werden könnten. Der Grund: Probleme mit der Technik. Die Aktien der OGX, die früher acht Euro wert waren, sind nun für 16 Cent zu haben.

Von Batista, der einmal über sich sagte, „ich denke hundert Jahre voraus“, ist seit Tagen nichts zu hören. Er ist der Sohn eines ehemaligen brasilianischen Bergbauministers und einer Deutschen. Mit 21 Jahren führte er bereits eine Firma, die Gold aus dem Amazonas aufkaufte. Seinen Reichtum stellte Batista, der in erster Ehe mit einem Playboy-Model verheiratet war, gerne aus. Er besitzt Jachten, Jets und parkte einen Mercedes SLR im Wohnzimmer. Mit dem Wagen fuhr der älteste seiner drei Söhne 2012 einen Radfahrer tot. Vielleicht begann die Selbstgewissheit, mit der sich Batista als modellhaft für den Typus eines Kapitalisten präsentierte, der sich seines Reichtums nicht mehr schämt, schon damals zu bröckeln.

Philipp Lichterbeck

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