Porträt : "Ein Meilenstein für unsere Demokratie"

Es war ein echter Heldenempfang, der Helen Zille bei ihrer Rückkehr nach Kapstadt bereitet wurde: Hunderte Anhänger der Demokratischen Allianz (DA) waren zum Flughafen gepilgert, um die Bürgermeisterin nach ihrem Wahltriumph zu feiern.

Wolfgang Drechsler
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Foto: dpa

Es war ein echter Heldenempfang, der Helen Zille bei ihrer Rückkehr nach Kapstadt bereitet wurde: Hunderte Anhänger der Demokratischen Allianz (DA) waren zum Flughafen gepilgert, um die Bürgermeisterin nach ihrem Wahltriumph zu feiern. Die deutschstämmige Vorsitzende von Südafrikas größter Oppositionspartei hatte etwas geschafft, was vor ihr noch niemandem gelungen ist: Dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) hat sie die wichtige Provinz Western Cape mit absoluter Mehrheit abgenommen.

Von morgen an wird die mit dem berühmten Berliner Milieumaler und Karikaturisten Heinrich Zille verwandte Zille das Westkap als Ministerpräsidentin regieren. Für Südafrika ist das ein tiefer Einschnitt: Erstmals in der Geschichte der jungen Demokratie ist der ANC aus der Regierungsverantwortung verdrängt worden, wenn auch nur in einem Bundesstaat.

Kein Wunder, dass Zille neben Südafrikas neuem Präsidenten Jacob Zuma als die große Gewinnerin der Wahlen am Kap gilt. Denn auch auf nationaler Ebene hat Zilles DA ihr Ergebnis um ein Viertel verbessert – auf 16,7 Prozent aller Stimmen. Zu verdanken hat dies die DA, die vielerorts noch immer als Partei der Weißen gilt, allen voran Helen Zille, die sich mit großer Energie in den Wahlkampf stürzte und zuletzt mit einem Charterflugzeug quer durchs Land jettete.

Ganz allmählich scheint es Zille zu gelingen, die alten Rassenschablonen am Kap zu knacken. Die Mischlinge, die im Western Cape die Mehrheit stellen, hat sie bereits für sich gewonnen. Jetzt will die 58-Jährige auch die Schwarzen überzeugen. Dabei hilft der Tochter, deren Eltern aus Essen und Berlin stammen, dass sie neben Englisch, Afrikaans und Deutsch auch fließend Xhosa spricht – und zur Freude vieler Schwarzer auch munter in der Sprache parliert.

Als Bürgermeisterin von Kapstadt hat Zille in den vergangenen drei Jahren ihre Durchsetzungsfähigkeit bewiesen. Alle von ihren ANC-Vorgängern geschlossenen kommunalen Verträge wurden auf Korruptionsvorwürfe hin untersucht. So erfolgreich war ihre Amtszeit, dass die arbeitswütige Zille im letzten Jahr zur weltbesten Bürgermeisterin gekürt wurde. „Wenn wir nach Kapstadt nun auch im Western Cape unsere Regierungsfähigkeit unter Beweis stellen, wäre das ein Meilenstein für unsere junge Demokratie“, frohlockt sie. Und hat der DA auch schon das nächste Ziel gesteckt: 2014 ganz Südafrika zu regieren.Wolfgang Drechsler

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