PORTRÄT ELISABETH MOHN, ALLEINHERRSCHERIN : "Unsere Prinzipien sind elementar"

So viel Macht wie Liz Mohn hat keine andere Frau Europas in der Welt der Medien. Beobachter schwanken jedoch, ob sie lediglich zielstrebig und durchsetzungsstark ist oder ob sie mit ihren Beratern die richtigen Entscheidungen treffen wird.

Kurt Sagatz
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Foto: Eventpress Radke

Ihr Mann Reinhard Mohn war der Patriarch. Er hat aus den Bertelsmann-Buchclubs Europas größtes Medienhaus gemacht. Nun folgt die Regentschaft der Königin, der 68-jährigen Elisabeth „Liz“ Mohn, die nun „bei Hofe“ in Gütersloh mit der gleichen Machtfülle ausgestattet ist wie der am vergangenen Samstag mit 88 Jahren gestorbene Westfale.

So viel Macht wie Liz Mohn hat keine andere Frau Europas in der Welt der Medien. Friede Springer muss ihre mit den Aktionären der Axel Springer AG teilen. Liz Mohn hingegen sitzt allen wichtigen Einrichtungen des Bertelsmann-Konglomerats vor: der Eigentümerfamilie, der Bertelsmann-Verwaltungsgesellschaft und der Bertelsmann-Stiftung. An ihrem Veto kann jede unternehmerische Entscheidung bei den Buchclubs, bei RTL und Gruner + Jahr scheitern. Entgegen früheren Planungen sind nun selbst alle Sonderrechte ihres Mannes auf sie übertragen worden.

Der späteren Ehe der Bertelsmann-Telefonistin mit Reinhard Mohn war eine ähnliche „Westfälische Lösung“ vorangegangen. Ihre drei Kinder Brigitte, Christoph und Andreas erfuhren erst als Teenager, dass der verheiratete Medienmogul nicht nur „Onkel Reinhard“ war, sondern ihr leiblicher Vater. In Gütersloh ist das nach wie vor kein Thema einer öffentlichen Diskussion. Kritik wird dort als Angriff verstanden.

Beobachter schwanken ohnehin, ob die neue Königin lediglich zielstrebig und durchsetzungsstark ist oder ob sie mit ihren Beratern die richtigen Entscheidungen treffen wird. Ihre Schlaganfallstiftung hat sie jedenfalls ohne finanzielle Hilfe aus dem Konzern aufgebaut, wie der Bertelsmann-Aufsichtsratsvorsitzende Gunter Thielen die unternehmerischen Qualitäten von Liz Mohn lobt.

Ihren Einfluss, das hatte Liz Mohn – die mit Kanzlerin Angela Merkel befreundet ist – schon vor einiger Zeit angekündigt, wolle sie dazu einsetzen, das weiterzuentwickeln, was ihr Mann Reinhard „initiiert und auf die Beine gebracht hat“. Damit hatte sie auch den milliardenschweren Aktienrückkauf, der gerade in der jetzigen Krise eine schwere Hypothek darstellt, verteidigt. Diese Sicherung von Unternehmenskultur möge angelsächsischen Investoren unverständlich erscheinen, für Bertelsmann „sind diese Prinzipien elementar“. Die Macht der Liz Mohn reicht weit: Mit 75, sprich in sieben Jahren, darf sie entscheiden, ob Christoph oder Brigitte die Erbfolge von Unternehmensgründer Carl Bertelsmann antreten wird.

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