• PORTRÄT ENGELBERT HUMPERDINCK SCHLAGERSÄNGER:: „Die Leute wollen mich weiterhin hören“

PORTRÄT ENGELBERT HUMPERDINCK SCHLAGERSÄNGER: : „Die Leute wollen mich weiterhin hören“

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Ein Rentner soll es richten: Kurz nach seinem 76. Geburtstag tritt Engelbert Humperdinck am 26. Mai in Baku beim Eurovision Song Contest an. Der legendäre Schnulzier soll Großbritannien endlich wieder einen Erfolg bei dem Schlagerwettbewerb sichern. Obwohl das Popmusik-Empire zu den fünf Ländern zählt, die ohne Qualifikation automatisch dabei sind, gelangen den Briten in jüngster Zeit nur peinliche Platzierungen: 2003 bekam der Kandidat aus dem Königreich nicht einen einzigen Punkt, 2008 und 2010 war man ebenfalls Letzter, 2011 reichte es für Platz 11 von 26.

Nun also steigt einer der erfahrensten Publikumsversteher weltweit in den Ring, um den Ruf der Nation zu retten. Seit vier Dekaden steht Engelbert Humperdinck im Rampenlicht, mit „Please release me“ landete er 1967 seinen größten Hit – in dem Jahr, als Sandie Shaw für Großbritannien den „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ gewann. Fünf Wochen lang stand auch sein „Last Waltz“ an der Spitze der Charts, insgesamt hat er 150 Millionen Schmusesong-Platten verkauft.

In den Seventies feierte er Erfolge in Las Vegas, wo er Elvis kennenlernte – der von Humperdincks prachtvollen Koteletten so begeistert war, dass er sich prompt auch welche wachsen ließ. Auch wenn er seit langem aus den Hitlisten verschwunden ist, gibt der Vater von vier Kindern und Besitzer von fünf Harley-Davidson weiterhin über 100 Konzerte im Jahr. Die BHs und Slips, die dabei von Fans auf die Bühne geworfen werden, gibt der Kavalier alter Schule regelmäßig bei der Altkleidersammlung ab.

Auf die skurrile Idee, sich ausgerechnet nach einem deutschen Komponisten des 19. Jahrhunderts zu benennen – dem Schöpfer der „Hänsel und Gretel“-Oper –, kam der als Arnold George Dorsey in Madras geborene Sänger, weil er halb Deutscher (und halb Ire) ist: Englische Muttersprachler tun sich zwar schwer mit der Aussprache, gibt er gerne zu. Dafür aber sei dieser Name im Showgeschäft einmalig. In Deutschland darf der Crooner übrigens offiziell nur als „Engelbert“ auftreten, wie die echte Familie Humperdinck gerichtlich durchsetzen ließ.

Was den Verfasser des Song-Contest-Beitrags angeht, setzt die BBC 2012 übrigens auf einen Mann, der ganz nah am Zeitgeist arbeitet: Das Lied für den oldcomer Humperdinck wird Sacha Skarbek liefern, der unter anderem für James Blunts Hit „You’re beautiful“ verantwortlich zeichnete. Frederik Hanssen

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