PORTRÄT ERWIN SELLERING : ''Es geht um die Sache, nicht um Pöstchen''

Er wäre nach Alfred Gomolka und Berndt Seite (beide CDU) sowie dem SPD-Mann Harald Ringstorff der erste Regierungschef Mecklenburg-Vorpommerns, der nicht aus dem Lande stammt.

Matthias Schlegel

Der 1949 in Sprockhövel bei Bochum geborene Erwin Sellering hat sich nicht ins Amt gedrängt. Als der Richter am Verwaltungsgericht Recklinghausen 1994 mit Frau Antje und den Töchtern Flora und Maxi nach Greifswald zog, um dort eine Richterstelle am Verwaltungsgericht anzunehmen, trat er zwar im gleichen Jahr in die SPD ein. Doch eine politische Karriere schien dem korrekten, eher zurückhaltenden Juristen nicht unbedingt vorbestimmt.

Als aber Harald Ringstorff 1998 in Schwerin das Wagnis einging, der bei der Landtagswahl kräftig abgeschmierten CDU einen Korb zu geben und mit der PDS die erste rot-rote Koalition in der Bundesrepublik zu schmieden, brauchte er dafür unverbrauchte, loyale Leute in der zweiten und dritten Reihe, die dem Experiment die nötige Solidität geben konnten. Sellering wurde Abteilungsleiter 1 in der Staatskanzlei. Dort war er unter anderem für das Bündnis für Arbeit zuständig, ein Projekt, in dem sich sozialdemokratische und demokratisch-sozialistische Positionen der Regierungspartner öffentlichkeitswirksam bündeln ließen.

Ringstorff hatte bei der Regierungsbildung 1998 neben dem Ministerpräsidenten- auch das Justizministeramt übernommen – und sich damit übernommen. Als er das zwei Jahre später merkte, setzte er einen Mann seines Vertrauens auf diesen Posten: Erwin Sellering. Und nach der Wahl 2006, als Rot-Rot die nötige Mehrheit verspielt hatte und Ringstorff sich genötigt sah, mit der CDU zu koalieren, adelte er Sellering noch einmal: Als Sozial- und Gesundheitsminister sollte er die soziale Kompetenz der SPD herausstellen und Mecklenburg-Vorpommern als Gesundheitsland profilieren. Sellering tat es in der ihm gemäßen Art: unauffällig, moderat, sachlich. Er verschliss sich nicht in Grabenkämpfen und wurde wohl auch deshalb im April 2007 zum SPD-Landeschef gewählt. Und seit Donnerstagabend ist es amtlich: Landesvorstand und Parteirat schlugen ihn als Nachfolger von Ringstorff vor. Am 24. August soll ein Parteitag über die Personalie abstimmen. „Es geht um das Land, nicht um die Partei, es geht um die Sache und nicht um Pöstchen und politische Sandkastenspiele“, sagte Sellering einmal in einem Interview. Das klang nicht nur gut, es tat ihm auch gut. Matthias Schlegel

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