PORTRÄT : „Es gibt keinen Platz für illegale Praktiken“

Mohammed VI. König ist der starke Mann von Marokkos - allerdings scheint er etwas empfindlich zu sein. Das bekommen die Journalisten zu spüren.

Ralph Schulze

Gleich eine ganze Reihe unbequemer Medien, welche die Allmacht des Monarchen zu rügen wagten, wurde in den letzten Monaten drangsaliert und von der Justiz verfolgt. Derzeit steht Ahmed Reda Benchemsi. Chefredakteur des Magazins Tel Quel, wegen „Majestätsbeleidigung“ in Casablanca vor Gericht – weil er öffentlich gefragt hatte, warum die Menschen am kommenden Freitag überhaupt zur Parlamentswahl gehen sollen, wenn die Entscheidungen ohnehin im Königspalast in Rabat getroffen werden und nicht in der Abgeordnetenkammer.

In der Tat hält Mohammed VI., der vor acht Jahren die Macht nach dem Tod seines Vaters Hassan II. übernahm, alle Zügel fest in der Hand. „Er beherrscht das politische und in weiten Bereichen das wirtschaftliche System“, sagen westliche Diplomaten. Er verstehe sich als „weltlicher Herrscher und zugleich geistlicher Führer“ seiner rund 30 Millionen Untertanen, wo der Islam Staatsreligion ist. „Der König ist einer der reichsten Geschäftsmänner des Landes“, sagt Abubakr Jamai, Ex-Direktor der verbotenen Wochenzeitschrift „Le Journal“. „Und ohne Zweifel ist er der einflussreichste.“ Dass sich Marokko in den letzten Jahren trotzdem leicht zu öffnen schien, glaubt wenigstens Jamai, sei nicht das Verdienst des Monarchen, sondern der Gesellschaft. Der Stil unter Mohammed habe sich zwar gewandelt, das System aber nicht.

Ganz so schwarz sehen europäische Diplomaten die Lage nicht: Sie loben Mohammed, der als „Reformkönig“ angetreten war, für seine Versuche, die hohe Armut, verbreitetes Analphabetentum, Diskriminierung der Frauen und allgegenwärtige Korruption zu bekämpfen, auch wenn die Erfolge eher bescheiden sind. Die EU stützt wirtschaftliche Entwicklung und soziale Reformen mit Millionenbeträgen. Im Volk ist die Stimmung derweil für den König, dem eine Liebe zu schnellen Autos, Skifahren und Popmusik nachgesagt wird, weniger positiv. Die alltägliche Not und Perspektivlosigkeit treibt den Islamisten Anhänger in Scharen zu. Als Sammelbecken für Millionen von Frustrierten etablierte sich in den letzten Jahren die moderate islamistische Bewegung für Gerechtigkeit und Entwicklung (PDJ). Klug bemühen sich die PDJ-Führer, nicht mit dem König in Konflikt zu kommen. Die „Gerechtigkeitspartei“ hat am 7. September gute Chancen, die Wahl zu gewinnen – wenn der König sie lässt. Ralph Schulze

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