Porträt : „Es war wichtig, mit einem Sieg zu starten“

Ein siebzehnjähriges Talent namens Toni Kroos verschaffte schwachen Bayern einen Auftaktsieg im Uefa-Cup gegen Roter Stern Belgrad. Wer ist der junge Fußballer aus München?

Michael Neudecker
Toni Kroos
Super-Talent: Toni Kroos (l.) hat sich mit seinen 17 Jahren schon in die Bayern-Mannschaft gespielt. -Foto: dpa

Natürlich Kroos. Warum gerade der 17-jährige Toni Kroos den Freistoß in der 90. Minute des Europapokalspiels in Belgrad ausgeführt hat, wurde Ottmar Hitzfeld, der Trainer des FC Bayern München, gefragt. Im Fußball ist es nämlich so: 17-Jährige tragen nach dem Training das Netz mit den Bällen, sie sitzen ruhig in der Kabine und hören nur zu, und während Spielen treten sie nie, nie entscheidende Freistöße in entscheidenden Momenten. Nur bei Toni Kroos, dem jungen Mittelfeldspieler mit dem pubertären Gesicht, ist das anders. Weil er nicht irgendein 17-jähriger Fußballer ist, sondern nicht weniger als: der derzeit hoffnungsvollste Nachwuchskicker in Deutschland. „Es geht nicht nach Alter, es geht nach Können“, hatte Hitzfeld geantwortet. „Er ist da der Beste.“

Acht Minuten vor dem 3:2 hatte Kroos ebenfalls mit einem elegant geschossenen Freistoß den Ausgleichstreffer vorbereitet, und weitere vier Minuten zuvor, da war er überhaupt erst eingewechselt worden. Toni Kroos wird immer eingewechselt bei den Profis des FC Bayern, weil sie ihn „nicht hochjazzen“ wollen, wie Manager Uli Hoeneß sagt.

Und deshalb darf auch Kroos selbst so gut wie nicht mit Journalisten reden, und wenn, dann nur unter der Bedingung, dass eher wenig polarisierende Sätze dabei herauskommen. In Belgrad hörte sich das so an: „Es war enorm wichtig, dass wir mit einem Sieg in die Gruppenphase gestartet sind.“ Ein Satz von Kroos kann gar nicht so langweilig sein, als dass ihn alle anwesenden Journalisten nicht mitschreiben würden.

Toni Kroos, der 2006 von Rostock nach München gewechselt ist und 2007 als bester Spieler der U-17-WM ausgezeichnet wurde, ist noch kein Weltklassespieler. Aber es ist aufregend, ihm zuzusehen, weil er den Ball behandelt, als hätte er ihn geboren, er streichelt ihn mit der Sohle, und wenn er ihn mal wegschickt, dann lässt er ihn nie aus den Augen. In München sind sie selbstverständlich stolz darauf, einen wie ihn zu haben – obwohl sie sich manchmal auch schwertun damit. Uli Hoeneß etwa sagte, auf den Freistoß zum 3:2 angesprochen: „Da hat er doch Glück gehabt, dass der Freistoß reingegangen ist. Den hätten wir zwei auch reingeschossen.“ Dabei muss er das gar nicht, Kroos am Boden halten. Toni Kroos weiß zwar genau, was er will – doch er nimmt sich nicht wichtiger, als er ist. Irgendwie ist er ja doch: ein ganz normaler 17-Jähriger. Michael Neudecker

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